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🇨🇭 Am Meitschi si Wauzer (bärndütsch)

ℹ️ Dies ist eine lyrische berndeutsche Erzählung – angelehnt an "Alice im Wunderland – über die schwierige Zeit eines pubertierenden Mädchens, das sich aus der Einsamkeit und Verwirrung in eine Traum- und Märchenwelt flüchtet. Dort sucht es, geleitet von einer mystischen Spiegel-Figur, nach seiner wahren Identität, erlebt die Aufregung und Sehnsucht der ersten Liebe und muss lernen, sich selbst zu ergründen. Die Reise gipfelt in der Überwindung von Ängsten durch Selbstakzeptanz und mündet in einen befreienden Neuanfang. ℹ️ Ganzer Text im berndeutschen Dialekt von B.R. Meier AM MEITSCHI SI WAUZER (hochdeutsche Übersetzung am Ende des berndeutschen Textes) I. Im Zwösche-Riich, haub schläfrig, haub wach Füehrt äs Tor in än ändlosi Nacht In a Wäut vo de Märli, zum ne frömden Ort Traged eim d Gedanke immer wiiter fort II Es isch emau es Meitschi gsi, ganz u gar ällei I däre Wäut vouer Tröim, wiit weg vo dähei. Tiefer u tiefer versunke im Schlaf Isch es gflüchted vo hie wie n äs verlornigs Schaf III «Oh, Meischter Schpiegu, zeig mir mini Seel Aber säg bitte ned, igg sig nur äs Buäch uf äm Gschteu. I wünschti i sigi frei u ned im ne goudnige Knascht Grad wie nä Vogu, wo cha flüüge vo Ascht zu Ascht» IV Än Angscht, wo verschwindet, för Lugine kei Platz Äs Liecht i de Dunkelheit, ä verborgnige Schatz Igg wünschti, du wärsch hie u ned wäg uf me Schtärn Igg seehne mich nach Liebi und ha dini Gschichte so gärn v Oh Meischter Schpiegu, was hani nomme gmacht? Anschteu vomene Buech, tuusigi Elfe i dä Nacht, Mis Härz isch in Trümmer, aber äs isch doch no ganz, Äs luegät mi aa, us äm Bronne sim Glanz. VI S Meitschi isch erchlüpft was si Zouber hett gmacht Wo äs sich verlüürt im Bronne, ir dunkle Nacht Tiefer u tiefer im Schpiegu si Bann Am ändi vo aune Ziite, wo niemer äs finge chan Im Schpiegu hett s Meitschi gfunge Rueh u Rascht D Angscht isch ewäg u ds Härz ohni Lascht VII Vom Meischter Schpiegu itze fescht umschlunge Erlöst vo de Furcht, sini Angscht überwunge Mit fröscher Chraft in äs nöis Morge fangt ä nöii Reis a – ganz ohni Sorge _______________________________________________ hochdeutsche Übersetzung: Der Walzer des Mädchens I. Im Zwischenreich, halb schläfrig, halb wach Führt ein Tor in die endlose Nacht In eine Welt der Märchen an einen fremden Ort Tragen einem die Gedanken immer weiter fort II Es war einmal ein Mädchen, ganz und gar allein In dieser Welt voller Träume, weit weg von daheim Tiefer und tiefer, versunken im Schlaf Flüchtete sie von hier, wie ein verlorenes Schaf III «Oh Meister Spiegel, zeig mir meine Seele Aber sage bitte nicht, ich sei nur ein Buch auf dem Gestell Ich wünschte, ich wäre frei und nicht in einem goldigen Käfig Gleichsam einem Vogel, der fliegen kann von Ast zu Ast IV Eine Angst, die verschwindet, für Lügen kein Platz Ein Licht in der Dunkelheit, ein verborgener Schatz Ich wünschte, du wärst hier und nicht weg auf einem Stern Ich sehne mich nach Liebe und mag deine Geschichten so sehr v Oh Meister Spiegel, was habe ich bloss gemacht? Anstelle eines Buches, tausende Elfen in der Nacht Mein Herz ist in Trümmern, aber es ist doch noch ganz Es schaut mich an aus des Brunnen Glanzes. VI Das Mädchen ist erschrocken, was ihr Zauber bewirkt hat Wo sie sich verliert, im Brunen in der dunklen Nacht. Tiefer und tiefer im Banne des Spiegels. Am Ende von allen Zeiten, wo niemand sie finden kann. Im Spiegel hat das Mädchen Ruh’ und Rast gefunden Die Angst ist nun weg und das Herz ohne Last. VII Jetzt fest umschlungen vom Meister Spiegel Erlöst von der Furcht, ihre Angst überwunden Mit frischer Kraft in ein neues Morgen Fängt eine neue Reise an – ganz ohne Sorgen