Sei mir gegrüßt, San Salvadore, Du hochgebautes Gotteshaus! Lugano's herrlichste Empore, Schaust weit Du übers Land hinaus Ich hör dein frommes Glöcklein schlagen Und folge diesem Rufe gern, Denn seine Stimme will mir sagen: "Steig auf, steig auf zu Gott, dem Herrn!" Von goldnem Sonnenglanz belichtet, Liegt weiß die Stadt am blauen See, Ein Märchen, von Gott selbst gedichtet, Und seine Güte ist die Fee. Grünsammtne Matten zu den Füßen, Stehn eng die Bergeswächter da, Gebenedeit von dir, der süßen Kapelle Salvadoria. Sei nochmals mir gegrüßt! Ich trete In deine heilge Kühle ein Und bin gewillt, Dir im Gebete Ein andachtsvoller Gast zu sein. Ich will dem großen Meister sagen, Dass all die Herrlichkeit und Pracht, Die ich geschaut in diesen Tagen, Mich so unendlich glücklich macht. Ich muss von Herzen ihm gestehen, Wie heilsam dieses Glück mir ist, Da es mich zwingt, zu Dir zu gehen, Die Du der Demut Stätte bist. Ich muss hier seinen Namen preisen Dem keines Menschen Namen gleicht, Will Dank und Ehre ihm erweisen Den nie ein Sterblicher erreicht. Schon will ich meine Hände falten, Doch – ist es Wahrheit, ist es Trug? Darf ich es wohl für möglich halten? Da liegt – da liegt – ein "Fremdenbuch"! Ich seh es vor mir aufgeschlagen Und les das letztbeschrieb 'ne Blatt: "Reserveleutnant von Hagen", "Frau Bankjeh Cohn aus Hermannstadt"! Wie still ich vor dem Buche stehe, Wohl eine ganze, ganze Zeit! Mir tuts um diese Menschen wehe Und um den heilgen Ort so leid. Dann denke ich bei mir: "Ihr Beide Sollt wohl die letzten Sünder sein!" Und trage auf die nächste Seite Mit doppelt großen Lettern ein: "Gelobt seist Du, oh Salvatore! Es sei in Deinem Heiligtum Hier auf und unter diesem Chore Nur Deinem Namen Preis und Ruhm. Und ist noch Einer so vermessen, Hier zu "verewigen" sein Nichts, So sei sein Name einst vergessen Dafür am Tage des Gerichts!" Zwei Stunden sind wohl kaum verstrichen, Als nochmals ich zum Kirchlein geh Und wieder vor den öffentlichen Entwürdigenden Blättern steh. Darf ich wohl meinen Augen trauen? Ich find mich schon nicht mehr zuletzt; Die Strophe ist in sehr genauen Gereimten Versen fortgesetzt: "Der allerdümmste Kerl auf Erden Ist Der, der diesen Quatsch geschmiert; Er wird bald reif zum Tollhaus werden Und mit dem Rohrstock auskuriert." Dann folgt ein halbes Dutzend Namen, Doch aber ich verschweig sie gern, Darunter die von zwei "Madamen" Und einem hochstudierten Herrn. Ich will nichts sagen, will nichts denken Und reiße nur das Blatt heraus; Vorüber an den leeren Bänken, Verlasse ich das Gotteshaus. Wie konnte man mit diesem Buche Oh Salvatore, dich entweihn! Wer widmete es Dir zum Fluche? Wer mag der fromme Herr wohl sein?!