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Wer zu viel sieht

​(Strophe 1) Ich lauf' durch die Straßen, sehe Gesichter voll Lack, jeder trägt Masken, jeder hält Fassaden im Zickzack. Die Leute wollen Entertainment, einfache Antworten, bloß nicht zu tief graben an verbotenen Standorten. Doch ich hab' längst gemerkt, wie das System hier funktioniert, wie man wegschaut, während nebenan das Fundament verliert. Wer zwischen den Zeilen liest, der hört das Schweigen im Chor, der kriegt die Disharmonie ungefiltert ins Ohr. Spürt diese Spannungen, die sonst jeder einfach übersieht, während die Masse blind hinterm Strom herzieht. ​(Refrain) Wer zu viel sieht, passt irgendwann nirgendwo mehr rein, bleibt mit der Wahrheit im Rücken meistens ganz allein. Du erkennst Muster, die niemand wahrhaben will, suchst nach Antworten, doch die Menge bleibt still. Wer einmal wirklich hingeschaut hat und es weiß, zahlt für den Blick hinter die Kulissen diesen Preis. Kann sich nicht mehr mit der Oberfläche gebend begnügen, weil die Augen den Verstand nicht mehr länger betrügen. ​(Strophe 2) Manchmal ist Blindheit ein Segen, ein bequemes Ruhekissen, doch wer einmal hinter die Fassade blickt, will’s wissen. Es brennt in den Augen, diese Helligkeit der Realität, wenn man begreift, wie vieles aus Berechnung besteht. Ein Blick in die Runde und du merkst sofort: Hier fehlt die Substanz an jedem Ort. Smalltalk und Lächeln auf Knopfdruck, hohle Phrasen, während im Hintergrund die echten Probleme rasen. Du wirst zum Fremden im eigenen Kreis, weil du zu viel weißt, zu genau Bescheid weißt. ​(Bridge) Es ist einsam an diesem Punkt, wo die Scheinheiligkeit im eigenen Saft verbrummt. Man will zurück, will das Wissen wieder löschen, doch das Feuer lässt sich mit Wasser nicht mehr löschen. ​(Refrain) Wer zu viel sieht, passt irgendwann nirgendwo mehr rein, bleibt mit der Wahrheit im Rücken meistens ganz allein. Du erkennst Muster, die niemand wahrhaben will, suchst nach Antworten, doch die Menge bleibt still. Wer einmal wirklich hingeschaut hat und es weiß, zahlt für den Blick hinter die Kulissen diesen Preis. Kann sich nicht mehr mit der Oberfläche gebend begnügen, weil die Augen den Verstand nicht mehr länger betrügen. ​(Outro) Kein Weg zurück. Wer einmal gesehen hat, wie das Bild aufgebaut ist, sieht nie wieder nur den Rahmen. Ronny Urban