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Foucault und Le Bon treffen auf Phonk.

V6

Innenlaut. Innenlaut. Wer entscheidet, was normal ist? Wer zieht die Grenze? Warum bewacht ihr sie, wenn keiner weiß, woher sie stammt? Ihr beansprucht Deutungshoheit, wollt die Wirklichkeit verwalten, setzt die Maßstäbe für andere, um selbst daran festzuhalten. Was gestern noch als anders galt, gilt heute als Skandal, und wer der Menge widerspricht, gilt plötzlich nicht normal. Foucault fragt, wer definiert, was als vernünftig gilt, wer die Normen festlegt, wer noch reinpasst in das Bild. Ihr braucht nicht mal Gesetze, um die Menschen zu sortieren, wenn schon die Angst vor euren Blicken reicht, sie zu dressieren. Stigmatisierung: Ein Merkmal überdeckt die ganze Person, ihr habt das Urteil längst gefällt und sucht die passende Version. Was dagegen spricht, wird ausgeblendet oder passend interpretiert, bis ihr den Menschen nicht mehr seht, nur noch das Bild, das ihr projiziert. Die Grenze stammt nicht von euch, doch ihr haltet sie am Leben, übernehmt sie ungeprüft, um sie den Nächsten weiterzugeben. Wer nach ihrem Sinn noch fragt, wird selbst zum Problem erklärt, weil jede unbequeme Frage an der Sicherheit der Ordnung zehrt. Wer zieht die Grenze? Wer spricht das Urteil? Wer macht aus einer Meinung eine Pflicht? Wer hält die Ordnung, wenn keiner befiehlt? Wer gehört dazu und wer nicht? Le Bon beschreibt Suggestion, wie die Stimmung überspringt, wie ein Vorwurf Kreise zieht und neue Stimmen mit sich bringt. Einer ruft, die andern folgen, bis sie alle dasselbe sagen, und die Menge hält es für bewiesen, ohne nachzufragen. Konformität ist keine Einsicht, nur weil alle ähnlich handeln, Wiederholung kann Behauptungen nicht in Beweise verwandeln. Manche zweifeln, bleiben still, um den Anschluss nicht zu verlieren, während andere ihr Schweigen schon als Zustimmung registrieren. Einer fragt nach einem Beleg, ihr fragt, auf welcher Seite er steht, er will wissen, ob es stimmt, ihr nur, ob er mit euch geht. Er hat niemanden verteidigt, nur den Vorwurf hinterfragt, doch plötzlich muss er sich erklären, weil er überhaupt gefragt hat. Der Nächste sieht die Folgen, wägt die eigenen Worte ab, verschweigt, was er gestern noch ganz offen ausgesprochen hat. Aus Angst vor Ausgrenzung entsteht ein gemeinsames Verstummen. Und ihr nennt das Einigkeit. Wer zieht die Grenze? Wer spricht das Urteil? Wer macht aus einer Meinung eine Pflicht? Wer hält die Ordnung, wenn keiner befiehlt? Wer gehört dazu und wer nicht? Kollektivdenken: Alle nicken, wenn die Zweifel untergehen, ihr hört das Echo eurer Stimmen und verwechselt es mit Verstehen. Ihr habt nichts dazugelernt, euch nur gegenseitig recht gegeben, und macht aus eurer Einigkeit ein Urteil über fremde Leben. Ihr prüft nicht seine Einwände, nur ob er noch zu euch passt, wer Zweifel äußert, wird behandelt, als hätt er den Anschluss verpasst. Jetzt geht es um die Person, nicht mehr darum, was er sagt, der Vorwurf bleibt bestehen, weil ihr nicht nach Belegen fragt. Ihr kennt die Schlagzeilen, die Sprüche und die Phrasen, und holt euch eure Urteile aus euren eignen Blasen. Ihr lasst euch vor den Karren spannen, haltet euch für Lenker, folgt den Stimmen fremder Köpfe und nennt euch freie Denker. Ihr seid so stolz darauf, selbst zu denken. Warum klingt ihr dann alle gleich? Ich hab die Schnauze voll von eurem selbstgerechten Geschwätz, ihr erklärt den eignen Standpunkt zum allgemeingültigen Gesetz. Ihr seid nicht Opfer eurer Dummheit, ihr verteidigt sie mit Macht, und habt aus jeder Unterstellung einen neuen Fakt gemacht. Ein Klick macht keinen Zeugen, hundert Likes noch keinen Beleg, auch wenn tausend Leute nicken, geht der Zweifel nicht gleich weg. Eure Wut kann richtig sein, doch nicht jeden Vorwurf tragen, denn ob etwas wirklich stimmt, können nur die Fakten sagen. Wer Fakten fordert, schützt nicht automatisch einen Täter, wer ein Urteil hinterfragt, ist deshalb noch lange kein Verräter. Ihr könnt euch irren, doch statt eure Sicht zu korrigieren, wollt ihr lieber Menschen abstempeln, verurteilen, aussortieren. Ihr nennt es Freiheit, während Selbstzensur die Stimmen dämpft, weil jeder mit den Folgen unbequemer Fragen kämpft. Kein Zensor muss euch sagen, welche Fragen ihr vermeiden sollt, ihr habt euch beigebracht, wann ihr besser schweigen sollt. IHR HABT NICHT RECHT, NUR WEIL IHR VERDAMMT VIELE SEID! Ihr braucht keinen Tyrannen, der euch das Denken diktiert, wenn ihr selbst schon jede Abweichung kontrolliert. Ihr urteilt, bis euch selbst das Urteil trifft. Doch eine Grenze wird nicht richtig, bloß weil ihr auf ihrer Seite sitzt. Wer zieht die Grenze? Wer spricht das Urteil? Wer macht aus einer Meinung eine Pflicht? Wer hält die Ordnung, wenn keiner befiehlt? Wer gehört dazu und wer nicht? Und wenn sie morgen hinter dir verläuft? Innenlaut.