
In Hameln, an der Weserstrand, Die Not war groß im ganzen Land. Denn Ratten, grau und überall, Machten das Leben zur Qual und Fall. Sie fraßen Korn, sie gruben Gänge tief, Ein jeder Bürger schlaflos lief. Da trat ein Mann in fremder Tracht, Der versprach, zu retten aus dieser Nacht. Er warb um Lohn, die Stadt willigte ein, Dann zog er eine Pfeife, klar und rein. Er blies hinein ein wundersam Tönelein, Und aus den Ritzen kroch die Schar herein. Vom Keller bis zum Dach, von Groß und Klein, Folgte jede Ratte dem geheimnisvollen Schein. Er führte sie hinaus zum tiefen Fluss, Wo jede ihren schrecklichen Tod finden muss. Die Pest war fort, die Bürger atmeten auf, Doch gaben sie dem Mann nicht seinen Kauf. Der Bürgermeister sagte hart und kalt: "So viel Gold für Musik? Uns ist's zu alt." Der Fremde schwieg, sein Blick war finster sehr, Er schwor im Herzen, Rache müsse her. Am Johannistag, als alle schliefen fest, Kam er zurück, ein unheilvoller Gast. Die Pfeife klang, doch anders nun ihr Lied, Das alle Kinder, groß und klein, zu ihm zieht'. Die bunten Kleider, schnell vergaßen sie, Folgend der Melodie mit großer Harmonie. Zur Stadt hinaus, zum Berg, wo eine Tür sich schloss, Und niemand sah sie wieder, wie groß der Verlust. Die Sage bleibt, als Mahnung bis zum Schluss: Man halte sein Wort, so wie man halten muss.

