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Das Leben, das uns nie gelang

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V6

Strophe 1 Er schrieb der Tochter jeden Winter einen Brief, den er mit keiner Anschrift je versah. Er schrieb, wie tief im Frost der Garten schlief, doch nie vom Streit, der einst geschah. Als er gestorben war, kam sie zurück, die Briefe lagen dort, von Staub bedeckt. Sie las sie langsam, Stück für Stück, und fand die Reue in jedem Satz versteckt. Refrain Es gibt das Leben, das wir führen, und jenes, das uns nie gelang. Wir werden beide in uns spüren, ein Leben lang, ein Leben lang. Strophe 2 Nach dreizehn Jahren wurde offenbar, dass er die Tat von damals nie beging. Man sprach ihn frei, doch nichts war, wie es war, als er noch ohne Schuld durchs Leben ging. Vor seinem Haus blieb er im Schatten stehen, im Fenster lag ein fremdes, stilles Glück. Er sah ein anderes Leben weitergehen, doch dreizehn Jahre kamen nicht zurück. Refrain Es gibt das Leben, das wir führen, und jenes, das uns nie gelang. Wir werden beide in uns spüren, ein Leben lang, ein Leben lang. Strophe 3 Sie saßen an des Vaters Bett zu dritt, der ihnen einst das Fürchten beigebracht. Sie brachten ihre Kindheit schweigend mit und blieben bis zum Ende jener Nacht. Kein Vorwurf fiel, kein letztes Wort erklang, sie sahen ihn, wie man den Fremden sieht. Die Kälte, die in ihre Kindheit drang, blieb bei den Lebenden, als er verschied. Refrain Es gibt das Leben, das wir führen, und jenes, das uns nie gelang. Wir werden beide in uns spüren, ein Leben lang, ein Leben lang. Strophe 4 Er fand nach ihrem Tod die alten Karten, die sie mit ihren Reisezielen füllte. Er hatte sie gebeten, noch zu warten, und nie bemerkt, wie viel sie ihm verhüllte. Er las die Städte, bis der Morgen kam, und sah, wie gut sie ihre Wünsche kannte. Er wusste nicht, was er ihr damals nahm, als er das Warten noch Vernunft benannte. Refrain Es gibt das Leben, das wir führen, und jenes, das uns nie gelang. Wir werden beide in uns spüren, ein Leben lang, ein Leben lang. Strophe 5 Wie viel von einem Menschen bleibt verschwiegen, auch wenn man glaubt, sein Innerstes zu sehn. So kann die Liebe neben Schweigen liegen, und dennoch kann man voneinander gehn. Nicht alles lässt sich deuten oder richten, nicht jede Reue macht Versäumtes gut. Es bleiben Lücken zwischen den Geschichten, in denen still ein Rest von Milde ruht. Refrain Es gibt das Leben, das wir führen, und jenes, das uns nie gelang. Wir werden beide in uns spüren, ein Leben lang, ein Leben lang. Ein Leben lang. [Wiederholung Strophe 5] Wie viel von einem Menschen bleibt verschwiegen, auch wenn man glaubt, sein Innerstes zu sehn. So kann die Liebe neben Schweigen liegen, und dennoch kann man voneinander gehn. Nicht alles lässt sich deuten oder richten, nicht jede Reue macht Versäumtes gut. Es bleiben Lücken zwischen den Geschichten, in denen still ein Rest von Milde ruht. [Schlussrefrain] Es gibt das Leben, das wir führen, und jenes, das uns nie gelang. Wir werden beide in uns spüren, ein Leben lang, ein Leben lang.