[Spoken word] Szene 2 — Katharinas Zimmer [Female mezzosoprano vocals] Ich wollte Sie nicht belauschen. [Male tenor vocals] Das ist gut. Ich hätte sonst Eintritt verlangt. [Female mezzosoprano vocals] Sie schreiben Gedichte? [Male tenor vocals] Nein. Ich schreibe Dinge auf, die ich später wieder vergessen möchte. [Female mezzosoprano vocals] Und hilft es? [Male tenor vocals] Nicht besonders. Aber die Handschrift wird besser. [Female mezzosoprano vocals] Meine Tochter sagt, ich lache zu laut. [Male tenor vocals] Dann hat sie vermutlich recht. [Female mezzosoprano vocals] Sie sind wirklich ein Trost. [Male tenor vocals] Das ist mein niederländischer Charme. Wir haben davon nicht viel, aber wir teilen ihn gerecht auf. [Female mezzosoprano vocals] Mein Mann war ein guter Mensch. Er konnte nicht tanzen, nicht singen und er hat jede Pflanze umgebracht, die ich ihm anvertraut habe. [Male tenor vocals] Ein vielseitiger Mann. [Female mezzosoprano vocals] Aber wenn ich nachts nicht schlafen konnte, hat er meine Hand genommen. Und ich hatte keine Angst mehr. [Break] [Male tenor vocals] Meine Frau hat immer die Fenster geöffnet, selbst im Winter. Sie sagte, die Gedanken brauchen frische Luft. [Female mezzosoprano vocals] Und was sagen Ihre Gedanken heute? [Male tenor vocals] Sie beschweren sich über die Kälte. [Spoken word] Katharina nimmt seine Hand, nur für einen Moment. Dann lässt sie sie los. [Duet Female mezzosoprano vocals and Male tenor vocals] Ich hab' dich nicht vergessen, du bist in mir zu Haus. In stillen, kleinen Dingen gehst du nicht ganz hinaus. Im Licht auf unsren Tischen, im Wind vor unsrer Tür, in Liedern, die wir hörten, lebst du noch heut in mir. [Male tenor vocals] Ich hab' sie nicht vergessen, kein Tag ging je vorbei. Ein Leben kann sich ändern, doch Liebe bleibt dabei. In all den stillen Jahren, in allem, was geschah, war sie in meinen Fragen und irgendwie noch da. [Duet Female mezzosoprano vocals and Male tenor vocals] Wenn eine Hand sich wieder hebt, heißt das nicht, dass die andre stirbt. Wenn neues Licht im Fenster steht, heißt das nicht, dass das alte irrt. Wir tragen, was wir einst geliebt, in allem, was das Leben gibt. Und vielleicht darf irgendwann ein neues Glück zu uns heran. [Das Orchester führt die beiden Stimmen in eine gemeinsame, ruhige Kadenz. Keiner der beiden wagt, den anderen anzusehen.]


