Strophe 1] Er lehnt sich zurück, erklärt mir mein Leben, mit dem Blick eines Mannes, der glaubt, was zu geben. Er weiß, wie die Welt funktioniert – sagt er zumindest. Komisch, er war nie da, wo sie wirklich zerrinnt ist. Er nennt mich mutig – doch meint eigentlich süß, weil er denkt, ich wär klein und das Risiko gering. Er fragt nicht nach Narben, nicht nach meinen Schlachten, er hält Monologe, statt mal zu betrachten. Du siehst ’ne Frau, die lächelt – und denkst, sie sei weich. Doch mein Lächeln ist scharf, meine Geschichte ist Fleisch. Du siehst ein Kleid – ich seh’ Blut auf Beton. Du siehst ’ne Blume – ich bin ein verdammter Zyklon. [Hook] Erklär mir die Welt, oh großer Prophet, vom Thron deiner Ahnungslosigkeit. Du redest von Mut, doch hast nie riskiert, ich hab ihn gelebt, während du ihn studierst. [Strophe 2] Du weißt alles über Grenzen – aus deinem Reiseführer. Ich kenn sie aus Nächten mit Angst im Flur. Du redest von Chancen – wie von Aktienkursen, ich hab sie gepackt, wenn sie im Chaos verschwurzen. Du bist so verdammt stolz auf dein Uni-Diplom, doch du weißt nichts von Hunger, nichts von Beton. Du glaubst, ich sei dumm, weil ich freundlich bin – doch Freundlichkeit ist die härteste Rüstung, die’s gibt. Ich brauch keinen Mann, der mir Wege erklärt, die ich barfuß gegangen bin – verletzt und beschwert. Dein Mut hat ’ne Anleitung, mein Mut hat Narben. Dein Leben war Watte, meins war Ertragen. [Hook] Erklär mir die Welt, oh großer Prophet, der nie was verlor und nie was versteht. Du redest von Risiko, hast keins je gespürt – ich hab’s umarmt – nackt, schreiend, verführt. [Bridge – Spoken Word, Gift tropft aus jedem Wort] Du hältst dich für weise – doch du bist nur verwöhnt. Du hältst dich für stark – doch du bist nur gewöhnt. Du siehst eine Frau – und denkst, du musst führen. Doch ich bin der Sturm, und du kannst nur frieren. [Final Strophe] Ich brauch keine Lektion aus deinem bequemen Mund, mein Weg war kein Kreis, er war tief und wund. Also spar dir die Weisheit, behalt dein Diplom – dein Wissen ist Theorie, mein Leben ist Ton. [Final Hook – geschrien, fast gesprochen] Erklär mir nichts mehr, ich war schon da, wo dein Kompass versagt und dein Wissen nichts sah. Ich bin keine Schülerin, kein zartes Klischee – ich bin eine Frau – und ich weiß mehr als du je.