
Ein stiller Raum – Es starren an den Wänden Die Geister, denen du dich anvertraut, Gefesselt und gebunden in den Bänden, An denen stolz empor dein Auge schaut. Du dünkst dich Herrscher hier in diesem Reiche, Ein großer Mann beim kleinen Lampenlicht. Ein Andrer dachte einst von sich das Gleiche, Und wie du weißt, war er es dennoch nicht. Du suchst nach Wahrheit schon seit vielen Jahren; Du frugst nach ihr beständig Geist um Geist Und konntest doch das Eine nur erfahren, Dass du von ihr selbst heute noch nichts weißt. Wie kamst du wohl dazu, grad die zu fragen, Aus denen nichts als die Verneinung spricht? Die Wahrheit nur kann dir die Wahrheit sagen, Und diese liegt in der Verneinung nicht. Du suchtest mit dem fragenden Verstande, Der aus dir selbst und nicht von oben stammt, Und darum fühltest du nach jedem Bande Zu immer neuen Fragen dich verdammt. Du hast, wie Faust, dem Geiste dich verschrieben, Der mit dem Fluss der Rede dich besticht, Und wirst auf diesem Flusse fortgetrieben, Wozu, wohin, das sagt die Rede nicht. Du wolltest herrschen als der Herr und Meister Und bist jetzt nur noch im Gehorchen groß. Du wurdest Schüler, Famulus der Geister Und wirst als Lehrling sie nicht wieder los. Sie treiben Mummenschanz mit dem Scholaren Und tun, als sei das ihre ernste Pflicht. Von ihrer Weisheit kannst du nichts erfahren, Denn wahre Weisheit gibts bei ihnen nicht. Ein stiller Raum – Auf blühenden Terrassen Naht sich als lieber Gast der Sonnenschein. Nun ist er da. Die offnen Fenster lassen Ihn mit dem Duft der Rosen willig ein. Er schaut sich um bei dir, tritt an die Wände Und breitet über sie sein frohes Licht. Was liest er dort? Die Titel deiner Bände? O nein; für ihn gibt es ja Titel nicht. Wohl auch für dich hat es sie einst gegeben, Als du den Menschengeist nach Wahrheit frugst. Dann aber sahst du mich herniederschweben, Der du dein offnes Herz entgegentrugst. Da schwanden vor dir alle irdschen Namen; Nur ich allein bins, die noch zu dir spricht. Und selbst die Geister sagen Ja und Amen, Denn mich verneinen, dürfen sie ja nicht. Ich bringe Buch um Buch dir zugetragen, Um dir zu zeigen, wer es für dich schrieb. Nicht Menschennamen hab ich dir zu sagen, Und doch gewinnst du grad die Menschen lieb. Ich lass vor dir den stolzen Geist verschwinden, Weil er dein Urteil und dein Herz besticht. Du sollst des Buches reine Seele finden Und sie zwar lieben, doch – vergöttern nicht. Und trittst du dann mit einem deiner Bände Zum Rosenstrauch im lieben Sonnenschein, So denk, ich öffnete dir meine Hände, Und leg ein Rosenblatt ins Buch hinein. Ich werde es mit meinen Blättern küssen Aus Liebe und geschwisterlicher Pflicht, Und wenn sonst alle Blätter welken müssen, Dies Blatt von dir nimmt mir der Winter nicht.

