Song Cover Image

Der Mann am Fluss

V5

Da sitzt einer unten am Wasser, jeden Tag zur gleichen Zeit. Keiner weiß genau, woher er kommt, nur, dass er nicht mehr viel sagt. Die Leute geh’n an ihm vorbei, mit Kaffee und mit Ziel. Sie schauen kurz, dann wieder weg, für mehr bleibt keine Zeit. Er hat kein Schild, kein großes Wort, kein „Bitte“ und kein „Hier“. Nur seine Augen, die erzählen, von einem andern Wir. Und manchmal frag ich mich ganz still, wer hier eigentlich verloren ist. Der Mann am Fluss, der sieht dich an, als würd er alles wissen. Von dem, was du so tief versteckst, und selber hast vermissen. Der Mann am Fluss sagt kein Wort, doch irgendwie reicht’s aus. Weil seine Ruhe lauter ist, als jedes laute Haus. Man sagt, er hatte früher mal, ein Leben wie du und ich. Mit Arbeit, Druck und viel zu viel, und irgendwann war Schluss. Kein großer Knall, kein Drama groß, nur langsam Stück für Stück. Hat er sich selbst verloren geh’n, und fand sich nicht zurück. Und jetzt sitzt er da und schaut dem Strom, zu, wie alles weiterzieht. Der Mann am Fluss, der sieht dich an, als würd er alles wissen. Von dem, was du so tief versteckst, und selber hast vermissen. Der Mann am Fluss sagt kein Wort, doch irgendwie reicht’s aus. Weil seine Ruhe lauter ist, als jedes laute Haus. Vielleicht ist er gar nicht so weit weg, vielleicht sitzt er in dir. Der Teil, der einfach nur noch will, dass endlich Ruhe wird. Der Mann am Fluss, der sieht dich an, und plötzlich merkst du still, dass du schon viel zu lange rennst und gar nicht rennen willst. Der Mann am Fluss sagt kein Wort, doch diesmal hörst du hin und nimmst ein Stück von seiner Ruh’, mit auf den Weg nach drin. Und morgen geh’n sie wieder vorbei, doch einer bleibt kurz steh’n…