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Schnee bis zum Knie

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V5

Strophe 1 Der Winter steht vor meiner Tür wie ein alter Bekannter, zieht die Schuhe nicht aus, bleibt einfach ein paar Monate lang. Er parkt sein Grau auf meinem Dach, leiht sich meine Nerven, und sagt: „Gewöhn dich dran, mein Freund, ich bleib noch ein Weilchen dran.“ Die Heizung röchelt wie ein Hund, der zu alt ist fürs Rennen, der Schneeschieber lehnt geschniegelt da und ahnt nichts von dem Leid. Und irgendwo im Radio singt jemand von der weißen Pracht – ich such derweil die Handschuhe aus dem letzten Jahr der Zeit. Refrain Ach, Schnee, du kalte Poesie, du machst die Welt so still und klein. Ich fluche leise, lieb dich doch, denn irgendwas muss Heimat sein. Der Winter lacht, ich lach zurück, mit hochgezog’nem Kragen zwar, doch unter all dem Eis und Grau schlägt mein Herz erstaunlich warm. Strophe 2 Die Nachbarn reden nur noch übers Wetter, als wär’s ein gemeinsamer Feind. Man teilt sich den Ärger, den Glatteisbericht und den Traum, dass es irgendwann taut – vereint. Der Bus kommt nicht, die Bahn hat’s schwer, der Fahrplan ist nur Dekoration. Doch ein Kind malt Engel in den Schnee und widerlegt mir meine schlechte Laune schon. Refrain Ach, Schnee, du kalte Poesie, du zwingst mich langsam, still zu sein. Ich mecker viel, doch tief in mir ziehst du mir Wollsocken ums Sein. Der Winter zwickt, der Winter nervt, doch er meint es selten böse. Er hält mir nur den Spiegel hin für all die Sommerprognosen. Bridge Und wenn ich ehrlich bin, dann mag ich’s sehr, dieses leise Innehalten. Wenn die Welt mal nicht so tut, als müsste sie sich ständig überschlagen. Strophe 3 Der Schnee verzeiht mir meine Spuren, deckt sie nachts ganz sanft wieder zu. Und für einen kurzen Augenblick gehört die Straße nur mir und meiner Ruh. Ich trag den Winter wie ein altes Lied, man kennt die Strophen, singt sie mit. Er ist nicht schön, nicht immer fair, doch er geht vorbei – und das tröstet ein bisschen mit. Refrain (letztes Mal) Ach, Schnee, du kalte Poesie, bleib noch kurz, dann lass mich geh’n. Ich hab gelernt, selbst im Frost ein kleines Feuer zu seh’n. Der Winter geht, ich wink ihm nach, ein bisschen wehmütig, das ist wahr. Denn wer so viel Geduld mir lehrt, der bleibt mir länger als ein Jahr.