
Nah dem Licht in Jena III
Nahe dem Licht in Jena, wo Schiller einst spazierte, wartet der Sternenwärter still im Garten. Die Sterne am Himmel verweilen, wo sie immer sind, immer währen, doch wir? Wir warten. Auf einen großen Bären, Grizzly oder Eis — auf einen großen Wagen, Mercedes oder wie sie sagen. Orion funkelt, der Morgenstern blinkt, und Bootes, der Hüterherr, schiebt Hydra und das Kreuz des Südens vor sich her. Wird es sie auch heute geben? fragt der Wärter sich leise. Denn wären sie fort, auf ewig verlöscht — was bliebe von uns? Doch während wir warten, fallen Schuppen von den Toren. Warten wir Toren, auf gequetschtes Licht, gedreht durch die Mühle der Zeit, sein Rauschen gedroschen wie Schrot aus dem Korn. Rauschfreies Licht, hier, in Jena — nicht Paris, doch dem Licht näher als je zuvor. Selbst wenn Dunkelheit herrscht und Erfurter sich mit Jenensern prügeln, die Saale erinnert an den Kamp , hier baden wir im Licht, mit Goethe, Schiller und Zeiss. Mikroskope, Chromosomen, ein Blick ins Kleine, ein Griff ins Große, vom Lichtstaub zur Sternenasche, von Weltsein zu Weltpolitik. Sklaven knien, doch nicht in Kolonien, sondern vor dem Licht, das uns blendet. Marder, Schildkröten, Mensch und Hund, alles eins, alles verbunden, im Staub der Sterne.

