
Vorwort Im Angesicht einer noch vollen Tasse Kaffee macht sich ein Gedanke auf den Weg. Ein Gedanke nach außen hin, aber selbstverständlich extravertiert, um auch den Freunden der sprachlichen Bedecktheit einen Satz zu schenken. Geben wir es doch endlich zu, innere Werte sind es doch nicht mehr wert, in ein verinnerlichtes Äußeres einzuladen. Siehe da, die Tasse ist halb leer und jetzt erst recht, wir blasen Sturm und in voller Fahrt legen wir den Wert auf den äußeren Wert. Welchen Wert will man sonst wahrnehmen? Nur noch den Wert der vor Augen ist. Sehen Sie es schon, der Wert der nicht vorführbar ist, ist es gar nicht wert, betont vertont dargestellt zu werden. Wir wundern uns Tag für Tag über die kleinen und großen Katastrophen die über uns hereinbrechen oder an unsere Ohren, beziehungsweise an unsere Augen herangetragen werden. Wir konsumieren quasi selbst die Unglücke wie die Glücksfälle. Im Angesicht von vollen und leeren Tassen ist sich der äußere Gedanke schnell gemacht, der äußere Gedanke ist gesucht wie das schicke Gewand, mit dem man sich kleidet und etwas darstellen möchte, was unter Umständen gar nicht dem entspricht was im Gewand steckt. Könnte doch der innere Mensch wieder einmal extravertiert, ja meine Freunde der schlauen Worte, nach außen von seiner Ich-AG Abstand gewinnen und den Blick zurück auf sich wagen und dabei sehen, welch brachialer Veräußerungsdrang der inneren Werte uns treibt. Das ist das Leid, die kleine und große Katastrophe unseres Lebens, es spielt sich im Ich ab. Die Ich´s strömen nur so aus uns und stellen die Kulissen vor sich, als seien es Schutzschilde um die Äußerlichkeit abzuwehren, mit der die eigene Äußerlichkeit nicht zusammengeht. Also hören wir endlich auf, dieser geleierten Wertediskussion Glauben zu schenken, es geht doch wieder nur um den äußeren Wert. Irgendwie geradezustehn und uniformiert „Ja so ist es“ zu sagen, dieser Wert ist hier nicht gefragt. Es geht nur um den äußeren Wert, von dem es heißt, „An den Früchten werdet ihr sie erkennen.“ Ham ma uns, der äußere Wert der Früchte nährt die Betrachtungsweise. Die Tasse ist jetzt leer und weggetragen, ein Teeglas nimmt den Platz ein. Der Gedanke kreist um diese Früchtchen, nein, nicht die Früchte des Früchtetees, die Früchte sind das Brot des Dichters, die er in seinem engen Lebenskreis sinnlich wahrnimmt. Es ist ein enger Lebenskreis, weil das äußere Vermögen keinen weiteren Kreis zum Ziehen ermöglicht. Innerlich gesehen ist es wahrscheinlich ein Segen, weil unsere Gescheiten, Weltbereisten, von allem unberührten, weil darüberstehenden Zeitgenossen komischerweise immer engstirniger denen gegenüber werden, die ihnen die Stirn zeigen und fragen, ob sie irgendwo einen anderen, besseren oder schlechteren Menschen gefunden hätten. Sie finden ja meist nur viel bessere Menschen, das kommt davon, dass ihnen hier wo sie alles zahlen und dirigieren können, niemand mehr ihr entsetzliches Elend im Inneren äußerlich mitteilen kann, sie sind einfach zu gut, zu edel, zu gescheit. Dort in der Welt die sie meinen, geht es in den Umständen genauso äußerlich zu wie im Innersten des Nähesten. Als Dichter nehme ich mich des Innerlichen wie des Äußerlichen nicht aus. Dichten ist der Versuch, das Innere und das Äußere in einen regen Austausch zu führen, in dieser Tauschaktion den Mut zu zeigen und den inneren wie äußeren Zustand nicht zu beschönigen, noch klein- oder großzureden. Wie sagte der ehemalige Chef des Bayerischen Rundfunks? „Aus dem nachdenkenswerten Tagebuch eines Dichters.“ Dieses Wort war wohl das für mein Innerstes zufriedenstellendste Wort über jenes, was da äußerlich von Vierteljahr zu Vierteljahr entsteht. Eine Sammlung von Gedanken, wert oder vergessenswert, das liegt dann jeweils in des Betrachters Sinn, sich hineinzudenken. Ich hoffe, da blockiert kein innerer oder äußerer Wert. Gruß aus`m Cafehaus Roland, a boarischer Dichter

