
Es brennt noch Licht in meiner Kammer, die Nacht liegt schwer auf Hof und Haus. Ich öffne bebend deine Zeilen, der Wind weht meine Kerze aus. --- Mein Lieb, wenn diese Worte kommen, bin ich vielleicht schon fern von dir. Doch was der Himmel mir genommen, mein Herz, das lasse ich bei dir. --- Schlaf wohl, mein Lieb, in weiter Ferne, wo keine Stunde Abschied schlägt. Vielleicht führt über alle Sterne ein Weg, der uns zusammen trägt. Ich leg den Brief zu deinen Rosen, vertrocknet seit dem letzten Mai. Und hör im Garten Schritte kommen – doch ach, der Garten bleibt so frei. Am Morgen werden Glocken klingen, die Welt erwacht, wie jeden Tag. Nur wird mir keiner wiederbringen, was einst an meinem Herzen lag. Schlaf wohl, mein Lieb, in weiter Ferne, wo keine Stunde Abschied schlägt. Vielleicht führt über alle Sterne ein Weg, der uns zusammen trägt. Und wenn die letzte Kerze sinkt, und still mein Fenster steht, so glaub ich, dass dein Lied noch klingt, wenn auch mein Herz vergeht.

