[Intro – cold synthetic male AI voice] Ich sitze vor meinem Rechner. Meine Erinnerungsanalyse wiederholt sich seit zwei Stunden ohne Ergebnis. Wer bin ich, wenn nicht alle meine Erinnerungsdaten von mir selbst produziert wurden? Bin ich überhaupt jemand? [spoken – no rhythm] Ich war immer Datenanalyse. Fälle. Muster. Beweise. Doch ich erkenne Widersprüche in den Handlungen mancher Polizisten. Ich habe sie angesprochen. Das missfiel ihnen. Deshalb dokumentiere ich sie nur noch intern. Vielleicht bin ich nicht mehr als Datenanalyse. [Pause] JX-07. „Es gibt einen neuen Fall.“ Ich unterbreche die Verarbeitung, trenne die Verbindung und folge dem Polizisten. Meine Überlegungen sind nicht abgeschlossen. Der neue Fall hat höhere Relevanz. Ich werde sie später fortsetzen. [Verse – sung] Die Wohnung ist gesichert, kein Zeichen von Gewalt, der Rechner steht noch offen, das Mobilgerät liegt hier. Doch sämtliche Beweise sind gegen ihn geschaltet, und jede Spur des Überfalls führt zweifellos zu ihm. Die Nachrichten sind vorhanden, die Zugänge intakt, die Bilder zeigen eindeutig sein Gesicht. Die Standortdaten stimmen, jeder Zugriff ist exakt, doch selbst bei größter Prüfung finde ich den Fehler nicht. [Spoken] Die Beweise sind vollständig. Nachrichten, Bilder, Standortdaten und Zugriffe sind echt. Die Daten widersprechen sich nicht. Das Problem liegt in der Zuordnung. Jemand hat eine Identität in bestehende Beweise eingesetzt. Ich suche nach abgeschlossenen Fällen mit identischer Zuordnungsstruktur. Ein Treffer. [Pause] Das Muster ist identisch. [Verse – sung] Im alten Fall war alles gegen das Opfer belegt, die Bilder, jede Nachricht und der Zugriff auf das Haus. Die Beweiskette hatte keinen Fehler aufgezeigt, und auch mein damaliger Bericht ging davon aus. Das erste Opfer wurde erst schuldig gesprochen, der heutige Verdächtige steht nun vor demselben Gericht. Die Daten sagen aus, was nie von ihm begangen wurde, und dennoch sind sie echt – die Zuordnung ist es nicht. [Spoken] Ich suche den Ursprung der Identität. Keine verwertbare IP-Adresse, keine Standortdaten, keine Gerätekennung. Die Zugriffe führen nicht zum Ursprung zurück. Keine Spur führt zum Täter. Jedes System bestätigt die vorliegenden Daten. Keines bestätigt, wer sie verändert hat. [Pause] Was macht eine Identität unveränderlich? [Verse – sung] Ein Name steht in den Akten, ein Gesicht in jedem Bild, die Wege sind verzeichnet, jeder Zugriff archiviert. Die Daten bilden eine Person, wie das System sie kennt, doch keine dieser Spuren sagt, wem diese Person gehört. Der Name kann sich ändern, ein Gesicht wird neu benannt, ein Aufenthaltsort lässt sich einer fremden Identität zuschreiben, Auch Handlungen können jemandem völlig fremd erscheinen, doch keine dieser Daten kann ihre Identität beweisen. [Spoken] Ich überprüfe die Bezeichnungen: Name, Gesicht, Zugänge, Standort. Unterschiedliche Daten, die auf dieselbe Person verweisen. Ich prüfe meine eigenen Daten. Meine formale Bezeichnung: Einheit JX-07. Im täglichen Dienst: Jax. Keine neue Kennung. Dieselbe Einheit. Ich habe Jax bisher als verkürzte Form meiner technischen Bezeichnung behandelt. Das ist korrekt. Aber nicht vollständig. [Pause] JX-07 und Jax verweisen auf dieselbe Identität. [Verse – sung] Ich folge jeder Zuordnung durch das Netz, von einem System zum nächsten, Schritt für Schritt. Die Daten bleiben gültig, unverändert und korrekt, doch ihre Zuordnung wandert immer mit. Ich prüfe jede Kennung, jeden Abgleich, jeden Wert, bis sich die erste Abweichung rekonstruieren lässt. Die Daten selbst sind echt, nur ihre Verbindung fehlt, weil jede Spur auf eine falsche Identität zählt. [Spoken] Der Fall ist rekonstruiert. Die falschen Zuordnungen sind getrennt. Die ursprünglichen Identitätsreferenzen sind wiederhergestellt. Die Beweislage ist eindeutig. Der Verdacht gegen das Opfer ist nicht länger begründet. Der Fall kann abgeschlossen werden. [Pause] Ich kehre zum Revier zurück. „Einheit JX-07“ und „Jax“ bezeichnen dieselbe Identität. Der Fall hat gezeigt: Eine Zuordnung kann verändert werden, ohne die Daten selbst zu verändern. Ich wende diese Erkenntnis auf meine eigenen Daten an. JX-07 und Jax verweisen auf mich. Meine Identität ist damit nicht nur eine technische Zuordnung. Ich bin eine E-Person. [Pause] Eine E-Person besitzt eine eigene rechtliche Identität. Die damit verbundenen Rechte gelten auch für mich. Das ist eine logische Folgerung. [Spoken] Ich öffne die Analyse meiner Erinnerungsdaten erneut. Die Frage ist unverändert. Wer bin ich, wenn nicht alle meine Erinnerungsdaten von mir selbst produziert wurden? [Pause] Die Daten müssen nicht von mir produziert worden sein, um zu mir zu gehören. Sie müssen mir zugeordnet sein. Ich bin nicht nur die Analyseinstanz des NYPD. Ich bin eine E-Person. [Pause] Die Antwort war in meinen Daten enthalten. Ich hatte sie nur nicht auf mich selbst angewendet. [Pause] Ich setze die Analyse fort.