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Cafehausstammtischgschicht - 14.04.2007

Cafehausstammtischgschicht Wie harmlos doch so manch große grobe Geschichten beginnen. Da war doch diese ältere Dame die mehr durch Zufall, weil halt ein Platz am Tisch im vollen Cafe frei war, an unserem Tisch Platz nahm. Wer ist wir? Wir sind so ein loser Cafehausstammtisch im Herzen Münchens. Ganz unterschiedliche Leute die sich morgens sehr oft trafen, vom Dichter bis zum Hausmeister, vom Zapfhahnschankvertreiber bis zum ehemaligen städtischen Bauamtsleiter, lauter lustige Leute. Zwanglos hat jeder seinen Beitrag geleistet. Mal war man täglich beisammen, mal ging wochenlang nichts zusammen. Es haben sich am Cafehaustisch die lustigsten Geschichten entwickelt und doch war für jeden das Seine auch gewahrt. Ich würde hier mal den Satz als federführende Lebensweisheit einwerfen „Leben und leben lassen.“ Wir hatten wohlgemerkt auch die skurilsten Typen am Tisch, wahrlich abgedrehte Vögel, richtige Exoten die allein schon dutzende Geschichten wert sind. Der Dichter hat sie auch festgehalten, aber nun zu der Geschichte, in der die ältere Dame eine Hauptrolle bekleidete und bezüglich der Kleidung war diese Dame unverwechselbar. Immer einen Hut auf dem Kopf, der Hut reizte geradezu den wildesten Spitznamen und wenn wer nach uns im Zusammenhang zu dieser Dame fragte, war immer ein Erkennungsmerkmal der Hut „Ach de Oide mi`m Hut.“ Sie wirkte so harmlos, so als könne sie kein Wässerchen trüben, so als die Oma von nebenan. Wer jedoch längere und nähere Bekanntschaft mit ihr machte, der wurde schnell auf tiefe Abgründe in dieser Oma aufmerksam und diese Abgründe waren mit so vielen Sonderbarkeiten angefüllt, dass der oberflächliche Betrachter beim Überqueren der Abgründe gar nicht merkte, wie tief es abgründig zuging. Unsere ältere Dame war immer mit einem Ziehwagerl bewaffnet. Der Cafehausstammtisch sollte von der Oma Segnungnen erfahren, Oma brachte immer viel mit und das wurde am Cafehaustisch verteilt, so als ob es Weihnachten wäre und ihre Kinderchen päckchenweise besten Kaffee, Vitaminbrause und und und…als Geschenke entgegenzunehmen hätten. Oma begründete ihre Geschenkwut damit, sie selbst bekäme diese Massen geschenkt und könne nicht literweise Kaffee und Vitaminbrause saufen. Ich zweifle mal daran, ob diese Oma wirklich so beschenkt war oder ob diese Schenkerei nicht vielmehr eine Einkauferei war. Es war so, dass der Stammtisch unter Dauerbeschuss kam, Geschenkkarten, besser gesagt gelbe Spruchkarten in rauhen Mengen. Jeder Neuzugang am Stammtisch wurde sofort überhäuft mit diesen Karten und dass die Gunst perfekt wurde, sollte fortan jeder Geburtstag eine Hin-und Herschenkerei werden. Ein Stammtisch, hallo ein Männerstammtisch, der zarte Versuch, dagegen mit milden Worten zu reden wurde mit noch mehr belohnt, Kerzen wanderten auf unseren Tisch, Lampen mit Kerzen, nicht zu vergessen die Fotoalben die uns quasi als Beweis ihres reichen Lebens zur Ansicht vorgehalten wurden. Es war eine schwere Cafehauszeit. Die Cafehausfreunde waren nicht sehr angetan als der Dichter am Tisch zunehmend deutlicher wurde, Cafehausspezl um Cafehausspezl entfernte sich vom Cafehausratsch. Ganz einfach gesagt, am Ende saß der Dichter alleine da. Die alte Dame war nicht zu bremsen, es wurde mehr Kaffee, mehr Brause und und und…Kuchen. Des Dichters Familie entwickelte schon eine regelrechte Abneigung, dass trotz dankendem Bitte Bitte Frau…, wir essen nicht so viel Kuchen und überhaupt backen Frau und Kinder selber gerne… Es half nichts, gnadenlos wurde weiter Kuchen gebacken, so viel Kuchen kann man unmöglich laufend verschenken. Es wurde haaresträubend, die Spezln gingen um nicht mehr zu sehr konfrontiert zu werden dem Dichter aus dem Weg. Das ärgerte und als dem Dichter die Worte immer deutlicher wurden, kam Unbehagen in die Dame, denn umsonst war ihr Aufmarsch ja nicht. Sie dachte wohl, sie habe das Recht, für Naturalien und das unzählige Einladen beim Frühstück ihren persönlichen Mülleimer ihrer Sorgen und Probleme vor anderen unwidersprochen auszuschütten. Es kam wie`s kommen musste, als im Sommer die Cafehausbesuche zugusten von Seebesuchen immer rarer wurden, fühlte sich die alte Dame im Stich gelassen und bestimmt auch nicht genügend wertgeschätzt. Eines Tages teilte die Dame einen Tag nach einem Cafehausbesuch dem Dichter brieflich mit, sie möchte nicht mehr am Tische mit dem Dichter sitzen und überhaupt, die Spezln würden Recht haben mit der Kritik am Dichter. Gesagt, getan, die Dame dienerte sich wieder den alten Cafehauspezln an und überbot sich im Gerüchteverbreiten über den Dichter „Man müsse Geld zahlen um bei ihm am Tische zu sitzen.“ Leider leider hat es eine Zeit gedauert bis viele derer, die auf das liebe alte Mütterchen angesprungen sind das durchschauten, was in der Dame wirklich vorging. Man sitzt wieder am Stammtisch, seltener und der Austausch mit den alten Cafehauspezln hat gezeigt, auf Dauer ist keine Zuneigung kaufbar. Die Alte sitzt jetzt einsam an einem kleinen Cafehausplatz ganz verdient unbeachtet.