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Miete für den Mondschein

V6

# MIETE FÜR DEN MONDSCHEIN Achtzehn Quadratmeter. Beste Lage. Freier Blick zum Himmel. Ich frag: „Und die Miete?“ „Astronomisch.“ Der Makler öffnet feierlich die Tür zum Wohnpalast, achtzehn Quadratmeter, doch er nennt es „reichlich Platz“. „Hier ist der freie Blick zum Himmel!“ – ich seh 'nen grauen Fleck, „Die Wolken sind nur zeitlich da, die ziehen meistens wieder weg!“ Am Fenster tropft's vom Dach – „Ein Wasserfall, exklusiv!“ Der Schimmel macht sich breit – „Seh'n Sie? Der Standort lebt!“ Das Badezimmer heißt jetzt offiziell „Wellnesszone“, weil beim Duschen beide Knie schon in der Küche wohnen. Dann fällt mein Blick auf den Vertrag, ein Posten fett markiert: „Mondschein-Nutzungsentgelt“ – das hat mich irritiert. Ich sag: „Den Mond hat keiner hier gebaut!“ – er nickt und grinst, „Wir rechnen nur die Möglichkeit, dass Sie ihn abends einmal seh'n!“ Bei Vollmond wird es heller, also steigt der Mietbetrag, bei Neumond gibt's 'nen Aufschlag, weil man Dunkelheit nicht mag. Ich frag: „Wem gehört der Mond?“ – er sagt: „Noch nicht, mein Freund!“ Und zieht 'nen Kaufvertrag hervor, der schon seit Jahren davon träumt. MIETE FÜR DEN MONDSCHEIN! Die Nacht gehört jetzt dem Verein! MIETE FÜR DEN MONDSCHEIN! Selbst mein Schatten zahlt hier Miete – was soll dieser Scheiß? HALBMOND! VOLLER PREIS! Bei Neumond kostet Dunkelheit! MIETE FÜR DEN MONDSCHEIN! Der Himmel ist noch kostenlos – doch das bleibt nicht mehr lang so! Im Hausflur hängt ein Aushang: „Sternschnuppen sind kein Geschenk! Wer sich dabei was wünschen will, zahlt Wunschbearbeitungsentgelt!“ Der Nachbar hat den Orion durch sein Küchenfenster geseh'n, jetzt soll er für die Sternbilder monatlich Gebühren abdrück'n. Ich mach die Rollos runter, prompt klingelt's an meiner Tür: „Sie verhindern die Aussicht! Das berechnen wir als Gebühr!“ Ich sag: „Ich schlaf doch nur!“ – „Das ist natürlich Ihr gutes Recht, nur kostet die Verdunkelung bei uns entsprechend extra Geld!“ Der Hausmeister vermietet jetzt die Stille nach zehn Uhr, für den Lärm gibt's keine Rechnung, denn der kommt von der Natur. Der Vermieter hat inzwischen auch den Regen patentiert, und wer nach draußen guckt, wird für den Wetterblick kassiert. Ich frag: „Sind Sie noch ganz dicht?“ – er zeigt stolz auf unser Dach, „Nein, genau deswegen haben wir 'nen Wasserfallvertrag!“ Dann lächelt er zufrieden, macht 'nen Strich auf seinem Plan: „Nächstes Jahr kommt die Milchstraße. Da ist noch einiges zu hol'n!“ MIETE FÜR DEN MONDSCHEIN! Die Nacht gehört jetzt dem Verein! MIETE FÜR DEN MONDSCHEIN! Selbst mein Schatten zahlt hier Miete – was soll dieser Scheiß? HALBMOND! VOLLER PREIS! Bei Neumond kostet Dunkelheit! MIETE FÜR DEN MONDSCHEIN! Der Himmel ist noch kostenlos – doch das bleibt nicht mehr lang so! „Eine Frage hätte ich noch.“ „Ja, bitte?“ „Was kostet eigentlich eine Sonnenfinsternis?“ „Premium-Event. Neunundneunzig Euro.“ „Und wenn ich die Augen zumache?“ „Dann wird die Verdunkelungspauschale fällig.“ „Sie sind doch völlig bescheuert.“ „Persönliche Beratung kostet extra.“ Der Mond hat's rausgekriegt und schickt 'nen Brief per Einschreiben: „Unerlaubte Untervermietung – lassen Sie das bitte bleiben!“ Der Vermieter lacht nur trocken: „Der soll erst mal klagen!“ Seitdem muss der Mond beim Aufgeh'n seinen Personalausweis tragen. Die Sterne gründen eine Gewerkschaft, Saturn zieht vor Gericht, und die Sonne ruft vom Himmel: „Meinen Schein vermietet ihr nicht!“ Der Makler steht am Fenster, seine Kalkulation zerbricht, doch schickt mir noch 'ne Mahnung für das außerirdische Licht. MIETE FÜR DEN MONDSCHEIN! Die Nacht gehört jetzt dem Verein! MIETE FÜR DEN MONDSCHEIN! Selbst mein Schatten zahlt hier Miete – was soll dieser Scheiß? HALBMOND! VOLLER PREIS! Die ganze Welt wird privatisiert! MIETE FÜR DEN MONDSCHEIN! Und wer kein Geld zum Wohnen hat, darf draußen gratis frier'n! Ich bin übrigens ausgezogen. Wohne jetzt im Keller. Kein Fenster. Kein Mondschein. Endlich Ruhe. Gestern kam die Nebenkostenabrechnung. „Pauschale für entgangenen Himmelsblick.“ Ich zieh auf den Mars.