
Eigentlich kenn ich mich anders. Ich lache gern und meistens viel. Kann mich über Kleinigkeiten freuen, über einen völlig normalen Tag. Ich singe mit, wenn irgendwo Musik läuft, rede manchmal viel zu schnell. Und wenn man mich gefragt hat: „Wie geht’s dir?“ war „gut“ nicht mal gelogen. Doch in letzter Zeit ist irgendwas anders. Ich sitze da und plötzlich laufen mir Tränen über die Wangen. Einfach so. Ich kenne Tränen. Die hatte ich schon oft. Vor Freude. Vor Rührung. Weil etwas wunderschön war. Oder einfach ein bisschen zu viel. Aber diese hier … diese hier sind anders. Diesmal sind es traurige Tränen, die langsam über meine Wangen gehen. Und ich wisch sie manchmal gar nicht weg, weil sowieso niemand da ist, der sie sieht. Diesmal tut das Weinen wirklich weh. Nicht laut. Nicht so, dass irgendetwas zerbricht. Ich bin nur traurig. So ungewohnt traurig. Und ich weiß selbst nicht, wohin mit mir. Man kann zwischen Menschen stehen und sich trotzdem alleine fühlen. Kann antworten, kann lächeln, kann sogar einen Witz machen. Und keiner merkt, dass man sich eigentlich wünscht, jemand würde einen Augenblick länger hinsehen. Nicht fragen, weil man eben fragt. Sondern bleiben. Es wäre so schön, wenn mich jemand in den Arm nehmen würde. Einfach so. Ich müsste gar nichts erzählen. Es würde schon reichen, nicht immer alles mit mir allein auszumachen. Denn ich kenne mich doch. Ich war die, die immer wieder etwas Schönes gefunden hat. Die lachen konnte, auch wenn nicht alles gut war. Wo ist sie gerade? Wo bin ich gerade? Diesmal sind es traurige Tränen, die langsam über meine Wangen gehen. Und ich wisch sie manchmal gar nicht weg, weil sowieso niemand da ist, der sie sieht. Diesmal tut das Weinen wirklich weh. Nicht laut. Nicht so, dass irgendetwas zerbricht. Ich bin nur traurig. So ungewohnt traurig. Und manchmal wünsche ich mir einfach, ich müsste gerade nicht alleine sein. Ich denke sie kommt wieder. Die Frau, die morgens aufsteht und sich auf irgendetwas freut. Die laut lacht. Die Unsinn macht. Die Musik aufdreht, nur weil ihr danach ist. Ich vermisse sie. Und das Traurigste daran ist: Ich vermisse gerade mich selbst. Diesmal sind es traurige Tränen. Ja, diesmal dürfen sie es sein. Ich muss sie nicht erklären, nicht verstecken, nicht sofort wieder fröhlich sein. Heute finde ich die Fröhlichkeit nur nicht. Eine Träne läuft noch über meine Wange. Ich lass sie. Nur diese eine noch. Und hoffe, dass irgendwann wieder eine kommt, weil ich vor Freude weine.

