
Du warst bei mir, an meinem Grabe, Hast nach dem Blumenkranz geschaut. Er war die letzte Erdengabe, Vor der im Leben mir gegraut. O, wüsstest du, wie man empfindet, Wenn solchen Kranz man liegen sieht Und sich hinausgetragen findet Beim Sterbe-, beim Begräbnislied! O, könntest du – doch muss ich schweigen; Verstorbenen versagt das Wort, Denn wiss, es gibt lebendge Leichen Und tote Geister hier wie dort. Du warst bei mir, an meinem Grabe, Hast nach dem letzten Kranz geschaut. Wie hat mir einst vor dieser Gabe Und vor dem letzten Lied gegraut! Und dieses Graun blieb unverstanden, Wie's auch zu dir vergebens spricht; Die Mahnung Gottes war vorhanden, Jedoch bei uns der Glaube nicht. Nun möcht ich dir wie gern gestehen, Dass wir gefehlt, dass wir geirrt, Sonst muss es dir wie mir ergehen, Wenn dir nicht baldigst Hilfe wird. O, komm noch oft zu meinem Grabe; Knie nieder dort, und bete still, Und was ich dir zu sagen habe, Sagt dir dein Herz – so Gott es will!

