Cousine Anna forscht nach Sternen, irgendwo in Südafrika, und Karl verdient in Buenos Aires sein Brot auf dem Frachter Limburgia. Unsre Helga hat in Sydney ein Café, das läuft seit Jahren gut, und Stefan baut Häuser in Shanghai – hat weder Zeit noch Mut. Und ich denk: Wir müssten uns doch mal wiedersehn, bevor die Jahre wie der Wind verweh'n. Nicht erst, wenn einer sagt: „Kommt zur Beerdigung herbei.“ – Nein, nicht erst zur Beerdigung soll unser Treffen sein. Unsre Maria sitzt in Boston fest, sie rettet dort Leben Tag für Tag, und Paul verschickt aus Kanada nur Mails, weil er die Arbeit zu sehr mag. „Weihnachten, da klappt es sicher!“ ruft Johanna voller Zuversicht, doch dann sagt einer: „Leider, grad dieses Jahr geht's bei mir nicht." Und ich denk: Wir müssten uns doch mal wiedersehn, bevor die Jahre wie der Wind verweh'n. Nicht erst, wenn einer sagt: „Kommt zur Beerdigung herbei.“ – Nein, nicht erst zur Beerdigung soll unser Treffen sein. Wir sammeln Fotos, Briefe, Stimmen, die das Telefon uns schenkt, und jeder meint beim Abendbrot: „Wie wär’s, wenn man mal wieder an ein Treffen denkt.“ Vielleicht im Sommer irgendwo, ein Haus am See, ein langer Tisch, wo alle kommen, alle bleiben, und keiner sagt: „Das schaff ich nicht.“ Und ich denk: Wir müssten uns doch mal wiedersehn, bevor die Jahre wie der Wind verweh'n. Nicht erst, wenn einer sagt: „Kommt zur Beerdigung herbei.“ – Nein, nicht erst zur Beerdigung soll unser Treffen sein.