
Ich knüpfe nicht aus Zweifel. Ich knüpfe aus Erinnerung. Meine Hände kennen Wege, die älter sind als mein Verstand. Ich halte, was andere verlieren, seit Generationen in der Hand. Die Fäden sind nicht nur Gesetze, sie sind das, was uns hält. Ohne sie zerfällt die Ordnung, und mit ihr diese Welt. Man fragt mich nach dem Warum, doch Fragen führen nur ins Nichts. Denn jedes Ende ohne Faden ist ein Beginn der Finsternis. Ich habe gesehen, was geschieht, wenn niemand mehr verbindet. Wenn jeder nur sich selbst gehört, und nichts mehr etwas findet. Vielleicht ist es kein Glaube. Vielleicht nur Notwendigkeit. Doch ohne dieses Muster bleibt nur Haltlosigkeit. Ich knüpfe, weil es halten muss, auch wenn es niemand sieht. Ich knüpfe, weil sonst alles im Chaos untergeht. Und wenn ich frage, wer ich bin, dann ist die Antwort klar: Ich bin der, der hält, was ohne mich nicht war. Doch manchmal, wenn die Nacht zu still ist, und der Stoff sich anders legt, frage ich mich leise, ob das, was ich bewege, auch mich bewegt. Mein Sohn wird meine Knoten sehen, als wären sie Natur. Doch ich frage mich, ob er darin später Sinn erkennt – oder nur Struktur. Ich knüpfe, weil es halten muss, auch wenn es niemand sieht. Ich knüpfe, weil sonst alles im Schweigen zerbricht. Doch irgendwo in mir beginnt ein leiser Riss: Was, wenn das, was hält, auch das ist, was uns frisst? Ein einzelner Faden… ein Knoten… ein Atem…

