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03 DER KNÜPFER

Ich knüpfe nicht aus Zweifel. Ich knüpfe aus Erinnerung. ​Meine Hände kennen Wege, die älter sind als mein Verstand. ​Ich halte, was andere verlieren, seit Generationen in der Hand. ​Die Fäden sind nicht nur Gesetze, sie sind das, was uns hält. ​Ohne sie zerfällt die Ordnung, und mit ihr diese Welt. ​Man fragt mich nach dem Warum, doch Fragen führen nur ins Nichts. ​Denn jedes Ende ohne Faden ist ein Beginn der Finsternis. ​Ich habe gesehen, was geschieht, wenn niemand mehr verbindet. ​Wenn jeder nur sich selbst gehört, und nichts mehr etwas findet. ​Vielleicht ist es kein Glaube. Vielleicht nur Notwendigkeit. ​Doch ohne dieses Muster bleibt nur Haltlosigkeit. ​Ich knüpfe, weil es halten muss, auch wenn es niemand sieht. ​Ich knüpfe, weil sonst alles im Chaos untergeht. ​Und wenn ich frage, wer ich bin, dann ist die Antwort klar: ​Ich bin der, der hält, was ohne mich nicht war. ​Doch manchmal, wenn die Nacht zu still ist, und der Stoff sich anders legt, ​frage ich mich leise, ob das, was ich bewege, auch mich bewegt. ​Mein Sohn wird meine Knoten sehen, als wären sie Natur. ​Doch ich frage mich, ob er darin später Sinn erkennt – oder nur Struktur. ​Ich knüpfe, weil es halten muss, auch wenn es niemand sieht. ​Ich knüpfe, weil sonst alles im Schweigen zerbricht. ​Doch irgendwo in mir beginnt ein leiser Riss: ​Was, wenn das, was hält, auch das ist, was uns frisst? ​Ein einzelner Faden… ein Knoten… ein Atem…