
Gracia Es ist schon einige Gedichtsseiten her. Es war der Tag, an dem ich am Isartor einen Platten gefahren habe. Ein Sauwetter war und ich war nicht grantig, überhaupt bin ich selten grantig. An diesem Morgen hab ich ein Mädchen im Cafe kennengelernt, die Gracia. Wenn ich mich recht entsinne, quält sie die Mädchenschule in der Blumenstraße. Der Morgen war von einem Gespräch rund um die Kunst bestimmt. Gracia singt gern und die Stimme im Reden hat auch schon gut geklungen. Eigentlich für mich nichts Ungewöhnliches, reden mit Jung und Alt, eben auch mit Schulmädchen. Ein Bubengymnasium ist nicht neben dem Cafe gewesen. Dieser Gracia habe ich noch ein paar Gedichte und zwei CD`s mit auf den Weg gegeben. Eine CD war falsch, es war ein Unikat, besondere Aufnahmen, Studioaufnahmen von Johnny Cash. Gracia wird sich gewundert haben. Eigentlich wollte ich ihr zwei CD`s von guter, poppiger, christlicher Musik schenken, schwuppdiwupp hab ich nicht richtig hingeschaut, war auch der Cash furt. Durch diesen Umstand war ich genötigt, Mitglied der Unterschleißheimer Bücherei zu werden und eine Kopie, wie die verschenkte, steht wieder in meinem CD-Regal. Laufend besuche ich die Unterschleißheimer Bücherei. Die Ursache, man merke, lag in meiner Schussligkeit. Und die Gracia war ein bisschen unbeteiligt mitschuld, es schadet dem Mädchen auch nicht, Johnny Cash zu hören. Es hätte auch passieren können, dass ich eine CD von Mantovani oder von Anne Sophie Mutter irrtümlich verschenke. Mein Geschmack ist weit und die christliche Sequenz ist in unserem Land fein säuberlich aus dem Musikmarkt ausgegrenzt. Ich habe unzählige Raritäten, alte und neue, wahrste Schätze. Schad, dass ich Gracia nicht mehr getroffen habe, es hätte mich interessiert, wie die Musik angekommen ist. Ich habe schon oft ein „Ah ha“ gehört, grad von Jugendlichen find ich das „Ah ha“ so wichtig.

