
Vergänglichkeit (Kein Mensch mehr sein)
Was ist ein Herz, das weiterschlägt, obwohl es längst nichts mehr versteht? Was ist ein Leben, Tag für Tag, wenn jeder Morgen gestern jagt? Ich ging durch Straßen, kalt und leer, doch jeder Schritt fiel mir so schwer. Die Menschen lachten, Hand in Hand, als wär' ihr Glück für immer Bestand. Sie wussten nicht, was Zeit verspricht, wie schnell ein Tag im Dunkel bricht. Ich sah ihr Glück, doch wollte's nicht – ich wollte nur, was ihnen fehlt: Vergänglichkeit. Ich beneidete sie nicht um ihr Glück, ich beneidete sie um den letzten Blick. Um jeden Morgen, der irgendwann geht, um jede Liebe, die niemals besteht. Denn was ist Freiheit, wenn nichts vergeht? Was ist ein Herz, das ewig besteht? Was ist ein Leben ohne Verlust, wenn jeder Anfang im Ende ertrinkt? Ich will nicht mehr fühlen, ich will nicht mehr sein. Ich will aus diesem Leben, aus diesem Käfig allein. Kein Morgen, kein Gestern, kein Gewicht auf der Brust. Kein Hoffen, kein Fürchten, kein „Du musst“ und „Du musst“. Nur Stille. Nur Dunkel. Nur endlich allein. Kein Schmerz, keine Sehnsucht – kein Mensch mehr zu sein. Ich wollte vergessen, was niemals vergeht. Ich wollte verschwinden, bevor mich noch etwas versteht. Ich wollte die Ketten der Erinnerung sprengen, die Stimmen zum Schweigen, die Bilder verdrängen. Doch je tiefer die Nacht mich umschloss, desto lauter wurde, was ich verdrängte. Ich will nicht mehr fühlen, ich will nicht mehr sein. Kein Licht soll mich finden, kein Morgen herein. Kein Gestern, kein Morgen, kein „Warum“ und „Wozu“. Nur Dunkel vor Augen, nur endlich die Ruh Doch dann… zwischen zwei Atemzügen… hörte ich eine Stimme. Du suchst etwas. Wer bist du? Jemand, der weiß, was du brauchst. Und was brauche ich? Etwas, das bleibt.

