[Intro – ruhig] 1948… zwischen Staub und Stille [Verse 1] Zerrissene Sohlen tragen ihn durch kalten Stein Zwischen hungernden Ruinen lernt er früh zu besteh’n Seine Finger stehlen leise, nur um nicht allein zu sein Jeder Tag ein stiller Kampf, nur um weiterzugeh’n Er sieht einen alten Mann mit leerem Augenlicht Und die Börse gleitet lautlos aus des Fremden Mantelrand Doch der Alte bleibt nur stehen, sagt kein Wort, verurteilt nicht Nur ein Schweigen voller Wärme bleibt zurück in seiner Hand [short interlude] [Chorus] Zwischen Schuld und leiser Gnade, die kein Urteil je verlangt Zwischen Nehmen aus Verzweiflung und dem, was einer gibt Liegt ein Moment, der sich tief in jede Seele drängt Und zwei fremde Wege bindet, ohne dass man's je begreift [Verse 2] Eine Woche später tost die Straße laut und blind Autos schneiden durch die Luft wie ein rastlos dunkler Strom Und der alte Mann steht wartend, ohne Richtung wie ein Kind Zwischen Signalen ohne Ordnung, ohne Richtung, ohne Ton Dann berührt ihn eine Hand, klein, doch sicher und bestimmt Und sie führt ihn durch den Wahnsinn, Schritt für Schritt hinaus Der Junge hält den Verkehr an, weil Angst und Zweifel verschwunden sind Stellt sich mutig vor den Stahl und bringt den Alten heil nach Haus Warum hilfst du mir fragt er leise und bedacht Du hast mir geholfen also geh ich diesen Weg Ein Satz so schlicht und doch von innen neu entfacht Und trägt mehr als alles was ein Mensch je in sich träg [Chorus] Zwischen Schuld und leiser Gnade, die kein Urteil je verlangt Wird aus einem kurzen Augenblick ein Band, das weiterlebt Denn wo jemand ohne Forderung die Dunkelheit durchdrang Wird ein fremdes Leben plötzlich etwas, das dich trägt [short interlude] [Verse 3] Nach dem Arzt sucht er die Gasse, findet Staub und kalten Stein Findet dort den jungen Dieb, der nie gelernt wie man ehrlich lebt Komm mit mir sagt er ganz leise du sollst nicht mehr alleine sein Ich geb dir einen Ort der dich als Mensch versteht Und aus Tagen werden Jahre aus dem Schweigen wird ein Band Der Junge wird zu Augen liest ihm Welt und Zeit im Raum Und der Alte wird zur Heimat die er vorher nie gekannt Gibt ihm etwas das er nie hatte mehr als nur ein Traum [Verse 4] Sie sitzen oft am Fenster, teilen Brot und warmen Wein Und er beschreibt die Welt, als würd er sie neu seh'n Der Alte lacht ganz leise über Worte, schlicht und fein Und sagt, dass selbst im Dunkeln noch Geschichten weitergeh'n Sie geh'n durch enge Gassen, Hand in Hand, ganz ohne Hast Der Junge schenkt ein Lächeln, das den alten Mann erreicht Und manchmal schweigen beide, doch genau das hält sie fest Weil selbst die stille Nähe mehr als jede Sprache reicht Er liest ihm alte Briefe vor, gibt ihnen eine Stimme, die er leiht Und gibt den Worten Klang, die der Alte nie mehr sieht Der Alte sagt: "Du gibst mir mehr als nur die Zeit, die bleibt" Und dass ein Mensch durch Nähe wieder ganz von innen heilt [Bridge] Dann die Nacht die leise alles von ihm nimmt Und ein Atem der sich langsam aus dem Leben zieht Auf dem Tisch ein letzter Brief der von innen spricht und stimmt Wie ein Echo das im Jungen nie vergeht nie flieht Was du warst ist nicht das was du geworden bist Zwei Paar Schuhe trag sie beide damit du nicht vergisst Dass ein Mensch sich ändern kann wenn er Menschlichkeit erfährt Und dass jede gute Tat dein ganzes Leben neu erklärt [Chorus – groß] Zwischen Abschied und Erinnerung die still im Herzen bleibt Zwischen Schmerz und neuer Stärke die aus Tiefe entsteht Wird aus einem Kind der Straße das die Dunkelheit beschreibt Ein Mensch der stehen bleibt wenn ein anderer untergeht [Outro] Jetzt zwei kleine Hände die er sicher bei sich hält Und ein Leben das nicht mehr nur aus Schatten besteht Eine Frau ein neues Morgen in derselben alten Welt Und ein Herz das für die Schwachen weiter schlägt und versteht Denn in jedem seiner Schritte leise Nacht für Nacht Geht ein blinder alter Mann der ihn sehend hat gemacht