
5. Stark sein heißt auch Leise sein!
[Intro – soft piano, acoustic guitar] Früher hieß es manchmal: „Ein Junge weint doch nicht.“ „Sei stark und steh wieder auf.“ „Zeig bloß keine Angst.“ Doch vielleicht bedeutet Stärke etwas ganz anderes. [Verse 1] Ein kleiner Junge sitzt bei mir, die andern spielen vor der Tür. Er schaut zu Boden, sagt kein Wort, die Tränen wollen trotzdem fort. Ich setz mich einfach neben ihn, muss nichts erklären, nichts erzieh'n. Nach einer Weile sagt er leis: „Ich vermiss Mama, weil sie heut nicht bleibt.“ Ich sag: „Du darfst sie vermissen, du darfst auch traurig sein.“ Er schaut mich an und fragt mich dann: „Weinen Männer eigentlich auch?“ [Pre-Chorus] Ich lächle und sage: „Ja, natürlich. Warum denn eigentlich nicht?“ Denn stark sein heißt nicht, dass niemals eine Träne fällt. [Chorus – children's choir joins softly] Stark sein heißt auch leise sein, nicht immer nur der Größte sein. Stark sein heißt: Ich zeig Gefühl, auch wenn ich gerade weinen will. Stark sein heißt, um Hilfe bitten, wenn man etwas nicht allein schafft. Denn manchmal liegt die größte Stärke nicht in Muskeln – sondern tief im Herz versteckt. [Verse 2] Ein Mädchen klettert ziemlich hoch, „Noch weiter!“, ruft sie stolz zu mir. Ein Junge sitzt derweil im Gras und pflückt ganz vorsichtig ein Blatt. Der eine liebt den Fußballplatz, der nächste malt stundenlang. Und wenn ein Junge Puppen liebt – was ist denn bitte schlimm daran? Kein Spielzeug weiß, wer damit spielt. Keine Farbe kennt ein Geschlecht. Und ein Kind muss niemand anders werden, nur damit es in eine Schublade passt. [Pre-Chorus] Vielleicht müssen wir Kindern gar nicht ständig zeigen, wer sie sein sollen. Vielleicht müssen wir ihnen nur zeigen: Du darfst du selbst sein. [Chorus – stronger] Stark sein heißt auch leise sein, nicht immer nur der Größte sein. Stark sein heißt: Ich zeig Gefühl, auch wenn ich gerade weinen will. Stark sein heißt, jemanden zu trösten, stark sein heißt auch „Entschuldigung“. Und manchmal braucht es richtig Mut für ein einfaches: „Das kann ich noch nicht.“ [Verse 3 – warm, personal] Wenn Kinder jeden Tag erleben, dass auch ein Mann sie trösten kann, dass er zuhört, bastelt, Geschichten liest und nicht nur Fußball spielen kann, dann wird vielleicht aus einem Jungen ein Mann, der später sagen kann: „Ich liebe dich.“ „Ich hab Angst.“ „Ich brauche Hilfe.“ „Heute kann ich nicht.“ Und vielleicht findet ein Mädchen das irgendwann völlig normal. Weil es schon als Kind Männer kannte, die genau so sein durften. [Bridge – almost only piano] Wir erzählen Kindern so oft, was aus ihnen einmal werden kann. Pilotin. Erzieher. Feuerwehrfrau. Krankenpfleger. Doch vielleicht sollten wir ihnen noch etwas viel Wichtigeres sagen: Du musst nicht werden, was andere in dir sehen. Du darfst herausfinden, wer du bist. [Build-up – bass slowly returns] Sei laut, wenn du laut sein willst. Sei still, wenn du Ruhe brauchst. Renn los. Oder bleib kurz stehen. Hab Mut. Hab Angst. Lach laut. Wein ruhig. Alles davon gehört zu dir. [Final Chorus – full band + big children's choir] Stark sein heißt auch leise sein! Stark sein heißt auch ehrlich sein! Stark sein heißt, Gefühle zeigen und nicht vor seinen Tränen schweigen! Stark sein heißt, für andre da sein, stark sein heißt auch weich zu sein. Ob Mädchen, Junge – ganz egal: Du musst in keine Form hinein! Wir brauchen keine kleinen Männer, die niemals zeigen, was sie fühl'n. Wir brauchen Kinder, die erfahren: Ich darf einfach ich selbst sein! [Final Chorus – bigger] Stark sein heißt auch leise sein, nicht immer nur der Größte sein. Ein Mann darf trösten. Ein Mann darf weinen. Ein Mädchen darf die Stärkste sein. Denn Kinder brauchen eine Welt, die ihnen nicht schon vorher sagt, wer sie einmal werden sollen – sondern ihnen alle Wege offen lässt. [Outro – piano, child voice] [Child] „Du … weinst du wirklich manchmal?“ [Male, softly] „Na klar.“ [Child] „Ich auch.“ [Male] „Das ist auch völlig okay.“

