
Siehst du die wunderbare Herrlichkeit, Die vor dein Auge sich hier rundum breitet? Fühlst du, dass sie dich innen firmt und weiht, Dich von der Schöpfung auf den Schöpfer leitet? Willst du der Allmacht Werke recht verstehen, So darfst du sie nicht so wie Andre sehen. Den roten Führer krampfhaft in der Hand, Sind sie bemüht, zu messen, zu vergleichen, Als habe Bädeker sie hergesandt, Um ihnen als untrüglich sich zu zeigen. Man hat die Berge alle nachzuzählen; Auch keiner, der im "Mayer" steht, darf fehlen! Doch ich bin ohne den geliebten Band; Ich will die Schöpfung, kein Verzeichnis schauen. Starr immer ich aufs Buch in meiner Hand, Wie kann ich mich an Gottes Huld erbauen! Zu ihm bin ich als Pilger aufgestiegen Das Buch ließ ich für die Touristen liegen. Kaum sind sie angekommen, gibts sogleich Ein fortgesetztes Fragen, Rufen, Raunen; Mich aber stört kein fremder Fingerzeig In meinem tiefen, heilig stillen Staunen. Ich sah die Größe Gottes mir erscheinen Und möcht in Demut niederknien und weinen. Ein jeder Berg dünkt mir ein Atemzug Der Erde, einst vor Schreck zu Stein geworden. Als unser Ahne von dem Sündenfluch Vertrieben ward aus seines Edens Pforten; Die Schläge ihres Pulses, sie erstarrten Und ragen himmelan, des Heils zu warten. Und kaum dass ich dies denke, sieh, da fällt Wie eine Antwort mir, im Ost der Schleier, Und die vorher so tote Eiseswelt Strahlt plötzlich Leben, liegt in Sabbatsfeier. Erleuchtung, nicht Beleuchtung kommt den Firnen, Und nun erglänzen himmlisch ihre Stirnen. Ist es ein irdsches, ists ein Sphärenlicht? Sind es die Berge wirklich, welche glühen? Ists Wahrheit, oder ist es ein Gesicht, In dem mir jetzt die Zinnen Zions sprühen? Ich komme, Herr! Du gabst mir dieses Zeichen; Drum will ich stetig auf zur Klarheit steigen. Und nun, wie stehts? Ich ärmlicher Poet Nahm mir ja vor, dies Wunder zu beschreiben! Wenn so in Glut die Welt zum Himmel fleht, Hat jedes Menschenwort zu unterbleiben. Ich kann nur stumm und leise seitwärts treten, Nicht um zu dichten, sondern um zu beten!

