[Intro — spoken, intimate] Als wir die Wohnung leergeräumt haben, stand hinter einem Schrank: wie groß ich mit sieben war. Bleistift auf Tapete. Wir haben alles mitgenommen. Nur mich mit sieben haben wir dagelassen. [Verse 1] Im Treppenhaus riecht’s noch nach Sonntag, nach Zwiebeln und zu wenig Zeit. Ich trag dein Leben durch die Haustür in Kartons, die unten reißen. In deiner Jacke steckt ein Zettel: „Brot und Milch“ — mehr steht nicht drauf. Die Welt hat einfach weiter Hunger. Ich krieg diesen Satz nicht raus. Dein Radio rauscht in der Küche, ich dreh am Knopf, ein Lied setzt ein. Du hättest schief dazu gesungen. Ich lass es viel zu laut hier sein. [Pre-Chorus] Wir haben jahrelang gesagt: „Das machen wir irgendwann.“ Jetzt steh ich zwischen deinen Sachen und irgendwann kommt nicht mehr an. [Chorus] Mach laut. Bis die Wände schwitzen. Bis mein Herz den Takt vergisst. Ich will heute nichts verschieben, was vielleicht schon morgen fehlt. Mach laut. Lass die Gläser zittern. Hol die Nachbarn aus dem Bett. Wir sind viel zu kurz hier unten, um nur leise da zu sein. Und wenn ich weine, lass mich tanzen. Und wenn ich tanze, halt mich fest. Ich hab so viel von dir behalten. Heute lass ich etwas raus. [Drop — chopped vocals] Lass mich tanzen. Halt mich fest. Lass mich tanzen. Jetzt. Jetzt. Jetzt. [Verse 2] Ich hab dein gutes Glas genommen, das sonst nur in der Vitrine stand. Du hast auf den Besuch gewartet. Heute halt ich’s in der Hand. Wir trinken auf dem Küchenboden. Jemand lacht und schenkt sich nach. Zum ersten Mal seit vielen Wochen fühl ich mich beim Lachen nicht falsch. Dann mach ich deine Stimme nach, wie du uns nachts zur Ruhe riefst. Alle lachen. Für zwei Sekunden stehst du wieder hier und schimpfst. [Pre-Chorus] Ich dachte, ich muss dich bewahren, indem ich nichts mehr hier berühr. Jetzt klebt der Wein auf deinen Fliesen. Und ich hör dich: „Wischt das weg!“ [Chorus] Mach laut. Bis die Wände schwitzen. Bis mein Herz den Takt vergisst. Ich will heute nichts verschieben, was vielleicht schon morgen fehlt. Mach laut. Lass die Gläser zittern. Hol die Nachbarn aus dem Bett. Wir sind viel zu kurz hier unten, um nur leise da zu sein. Und wenn ich weine, lass mich tanzen. Und wenn ich tanze, halt mich fest. Ich hab so viel von dir behalten. Heute lass ich etwas raus. [Breakdown — spoken, almost dry] Auf meinem Handy ist noch eine Nachricht von dir. Kein letzter Rat. Keine Antwort auf irgendwas. Nur: „Ich bin’s. Ruf mal zurück.“ [Silence] Ich weiß. [Bridge — rising] Also ruf ich meinen Bruder an, obwohl es längst nach Mitternacht ist. Sag nicht: „Wir müssen mal.“ Sag: „Komm. Wir sind noch wach.“ Ich stell ein Glas für ihn daneben. Schieb die Kartons aus seinem Weg. Dann hör ich Schritte auf der Treppe. Und geh ihm schon entgegen. [Final Chorus — full, euphoric] Mach laut. Bis die Wände schwitzen. Mach die Tür auf, lass ihn rein. Heute sitzen wir zusammen. Heute muss kein Anlass sein. Mach laut. Lass die Gläser zittern. Wir verschütten, wir sind hier. Und ich seh in seinen Augen dieses gleiche Stück von dir. Und wenn wir weinen, lass uns tanzen. Und wenn wir tanzen, halt uns fest. Hier ist Platz für deine Abwesenheit. Und für alles, was noch lebt. [Final Drop] Lass uns tanzen. Halt uns fest. Lass uns tanzen. Jetzt. Jetzt. Jetzt. [Outro — spoken] Morgen geben wir die Schlüssel ab. Heute hat sich jemand an den Türrahmen gestellt. Ich hab einen Bleistift geholt.


