
In der Tasse Mei Oma war eine richtige Kaffeephilosophin und Oma war in ihrer Philosophie sehr untechnisch. Sie nahm sich Zeit und diese Ruhe meiner Oma steckte an. Ein Kaffee lief bei Oma nie durch eine Kaffeemaschine und hätte jemand der Oma eine Kaffeemaschine geschenkt, wäre das eine Beleidigung gewesen. Oma brühte den Kaffee in der Tasse auf. Der Kaffee wurde vom Bäcker visavis frisch gemahlen. Allein der Duft, der sich durch den frisch gemahlenen Kaffee in Oma`s Küche verbreitete, lud schon zu Oma`s nachmittäglicher Kaffeestunde ein. Oma`s Kaffee in der Tasse aufgebrüht, war auch viel intensiver als so ein technisch perfekt durchgelaufener Maschinenkaffee. Womöglich noch löslich. Oma war da resolut, auch blieb Oma ihrer Münchner Kaffeefirma treu. Ein Kaffee ist nicht gleich ein Kaffee. Meine Oma hat über ihre Zeit hinaus mit ihrer Philosophie mein Denken mitbestimmt. Ich denke mir, es ist langsam an der Zeit, dass ich mir mal wieder einen Kaffee in der Tasse aufgebrüht gönne, dazu möchte ich über die Zeit mit Oma nachdenken.

