
**Rezitativ und Arie** **Renate (Sopran)** Wo find’ ich dich, mein Rolf, in dieser Stunde? Das Haus hält den Atem an, als wüßt’ es schon Bescheid. Ich sah sie — kaum vermählt — an fremder Hand im Bunde, und ein Mann, verhüllt und rasch, bei Nacht und Zeit. Mein Herz, es schlägt zu laut in diesen Gängen, die Stufen knarren, jeder Schatten hört mich an. Nur du allein kannst dieses Wort verhängen, nur du, mein Gatte, hältst die Sache unterm Bann. Rolf! Antworte! Ich trag’s nicht länger still, komm, ehe mich das Zimmer selbst verrät. Ich muß dir sagen, was ich sagen will — ein Blick, ein Schwur, und alles steht zu spät. **Rolf (Tenor)** O Schuld, die mir im eignen Blut nun wohnt! Ich kam verkleidet, um ein Spiel zu wagen, doch daß ihr Blick mich dennoch nicht verschont, das macht die Nächte schwerer als die Tage. Sie sucht den Mann, der schweigt — und ich bin nah, der sie bewahrt und selbst der Fehler war. Wie hält ein Herz, das weiß, was es getan, noch fest den Mund, noch klar das falsche Haar? Ich bin der Fremde, den sie gestern sah, doch darf sie’s nicht, noch niemals, wissen. Wie seltsam süß, wie schrecklich wunderbar — ein Fehler, den die Zunge muß verschließen. O Haus voll Kerzen, Diener, Tür und Porzellan, wie leicht zerbricht ein Name in dem Klang. Ich lieb sie doch — und bin der Mann, der’s kann, der sie belügt mit zitterndem Gesang. **Gretta (Alt)** Ich stand im Vorzimmer und hörte jedes Wort, und keiner merkt, wie nah die Wahrheit sitzt. So trägt das Herz sein kleines Feuer fort, bis selbst die Magd vom heißen Takt erblitzt. Renate sucht den Mann, der alles deckt, Rolf sucht das Schweigen, das ihn selber frißt — und ich, ich bin’s, die ihre Blicke lenkt, weil mir der ganze Aufruhr viel zu kühn schon ist. Wie schön ist solch Gefahr im Flüsterton, wie süß das Wissen, daß gleich alles fällt. Ich lausche gern — und weiß doch längst davon: Im Haus ist jeder Ton ein kleines Geld. **Trio** Renate: Was für ein Beben hält mich noch? Rolf: Was für ein Netz zieht mich hinab? Gretta: Kein Mensch im Haus entkommt dem Stich der Lust. Renate: Ich will die Wahrheit — und doch nicht. Rolf: Ich will den Frieden — und mein Wort zerbricht. Gretta: O wie das Geheimnis die Gestalten an sich preßt. Alle drei: Wir sind verstrickt in dieses süße Spiel, als wär der Schreck uns eine zweite Speise. Kein Herz bleibt kalt, kein Mund bleibt lang noch still, wenn hier im Haus die Lüge lärmt auf leise. Wie bergen wir’s vor jedem Blick im Flur? Wie halten wir die Türen, Mund und Spur? Mit Lächeln, Schatten, Schritt und falschem Schwur — und doch schlägt es uns tiefer durch die Nacht. Renate: Ein einz’ger Blick kann alles schon verraten. Rolf: Ein einz’ger Laut bringt unser Dach zum Einsturz. Gretta: Und dennoch lockt uns dies Versteck wie ein Altar. Alle drei: O teure Angst, du lebst in unsern Adern, wir nähren dich und nennen’s stille Kunst. Wer fragt uns aus, wenn wir nur weiter warten? Wer sieht den Brand, der unter Spitzen brennt? So schweigen wir — und beben doch vor Macht, und tragen unser Rätsel durch die Nacht.

