
[Verse 1] Ich beobachte dich genauer als früher, nicht nur das, was du sagst. Ich seh die Sekunde vor deiner Antwort, den Blick, den du dabei vermeidest. Ich hör die Pause zwischen zwei Worten, merk, wenn sich deine Stimme dreht. Vielleicht war das alles immer schon da, nur hab ich es früher nicht gesehen. Ich gehe durch dieselben Straßen, doch irgendwas daran ist neu. Gesichter tragen kleine Geschichten, und plötzlich lese ich viel zu viel. Als hätte jemand über Nacht alle Frequenzen aufgedreht. Ich weiß nicht, wann das passiert ist – nur, dass seitdem nichts untergeht. [Chorus] Alle Kanäle offen, alles strömt auf einmal rein. Deine Worte, deine Blicke, diese ganze Welt zugleich. Alle Kanäle offen, jede Strömung zieht durch mich. Ich wollte immer mehr verstehen – jetzt versteh ich manchmal mich selbst nicht. [Verse 2] Ich sehe Menschen aneinander vorbeigehen, sehe, wer wartet, wer nur tut. Wer beim Lachen traurig aussieht, wer schweigt und trotzdem alles ruft. Ich hör Nachrichten plötzlich anders, seh hinter Zahlen ein Gesicht. Kriege, Straßen, fremde Schicksale – früher weit weg, jetzt irgendwie nicht. Ein alter Mann allein am Fenster, ein Kind zieht seine Mutter fort. Zwei Menschen streiten ohne Worte, nur ihre Körper reden dort. Vielleicht hab ich früher weggesehen, vielleicht war mein Empfang zu klein. Jetzt steht jede Tür nach draußen offen und alles findet zu mir rein. [Chorus] Alle Kanäle offen, alles strömt auf einmal rein. Was zwischen deinen Worten wohnt, was Menschen zeigen und verschweigen. Alle Kanäle offen, keine Ahnung, wo das endet. Manchmal ist Wahrnehmen ein Geschenk. Manchmal wünsch ich, jemand hätte einen Regler dran. [Verse 3] Und ich beobachte auch mich selber fast wie jemand anderen dabei. Warum trifft mich dieser eine Satz? Warum lässt mich jener völlig frei? Warum sehe ich plötzlich Muster, wo vorher nur Ereignisse war’n? Warum verbinden sich die Punkte, die jahrelang verstreut vor mir lagen? Mein Kopf baut Brücken ohne Auftrag, von gestern bis zum Augenblick. Ein Geruch, ein Wort, ein fremdes Lachen – und hundert Bilder kommen zurück. Vielleicht werde ich nicht empfindlicher. Vielleicht wird nur weniger gedämpft. Vielleicht war die Welt schon immer so laut und irgendetwas in mir hat aufgehört, sie leiser zu stellen. [Bridge] Ich würde manchmal gerne meine Gedanken rausschrei’n. Nicht weil sie dunkel sind. Weil es so viele sind. Weil alles irgendwo andockt, weiterläuft, sich verbindet, eine neue Tür aufmacht. Und hinter jeder Antwort stehen schon drei neue Fragen. [Break] Du sagst einen Satz. Ich höre fünf. Du schaust kurz weg. Ich sehe es. Draußen fährt ein Auto vorbei. Irgendwo läuft Musik. Das Handy leuchtet. Jemand lacht. Die Welt dreht sich. Und alles kommt rein. [Final Chorus] Alle Kanäle offen, jede Frequenz findet mich. Menschen, Stimmen, kleine Zeichen, Lärm und Schönheit, Schatten, Licht. Alle Kanäle offen, vielleicht muss ich nicht alles versteh’n. Vielleicht darf manches durch mich fließen, ohne ihm bis zum Ende nachzugeh’n. Doch ich möchte diese Türen auch nicht wieder ganz verschließen. Denn seit die Welt so laut geworden ist, kann ich manches zum ersten Mal wirklich sehen. [Outro] Ich beobachte dich. Ich beobachte mich. Ich beobachte diese Welt. Genauer als früher. Und manchmal frage ich mich: Ist plötzlich so viel mehr da – oder war es immer da und ich bin erst jetzt auf Empfang?

