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Du bist Fake

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V6

[Intro] „Du bist fake.“ Ach ja? Erzähl. [Verse 1] „Die Bilder vom Shooting sind fake, wenn dich jemand in echt sieht, erkennt er dich doch gar nicht.“ Okay. Licht war gut. Make-up saß. Die Fotografin wusste, was sie tut. Soll ich mich dafür entschuldigen, dass ein gutes Bild mich gut aussehen lässt? Die Nägel? Fake. Geschenkt. Die Wimpern? Mittlerweile echt. Die Haare? Auch. Falls wir hier gerade Inventur an mir machen. Was fehlt noch? [Pre-Chorus] Aber sag mal – warum interessiert dich das eigentlich so? Warum musst du beweisen, dass hinter einem schönen Bild irgendetwas nicht stimmen kann? [Chorus] Du sagst: „Du bist fake.“ Was willst du mir damit sagen? Dass mich bloß keiner schön finden darf, weil du es nicht ertragen kannst? Dass jemand sagt: „Du siehst toll aus.“ Und du sofort erklären musst: „Ja, aber in echt …“ Was kommt nach dem Aber? Was genau macht dir daran Angst? Dass jemand hinsieht und trotzdem sagt: „Ich mag, was ich sehe“? Oder schlimmer: Dass jemand mich kennenlernt und sagt: „Du bist toll. Und du bist verdammt noch mal kein Fake.“ [Verse 2] Ja, ich kenne Filter. Ich kenne Make-up. Ich kenne den Winkel, bei dem ein Gesicht besser aussieht. Willkommen im Jahr zweitausendirgendwas, das Geheimnis ist gelüftet. Ein Shooting ist kein Passfoto. Es ist Licht. Pose. Moment. Inszenierung. Aber seit wann macht Inszenierung den Menschen dahinter unecht? Wenn du ein gutes Hemd anziehst, bist du dann auch fake? Wenn du beim ersten Date nicht gleich deine schlechtesten Seiten zeigst? Wenn du lächelst, obwohl dein Tag beschissen war? Wo genau beginnt bei dir „echt“? [Pre-Chorus] Vielleicht geht es gar nicht um meine Bilder. Nicht um Nägel. Nicht um Haare. Nicht um Wimpern. Vielleicht geht es darum, was passieren könnte, wenn deine Erklärung niemanden interessiert. [Chorus] Du sagst: „Du bist fake.“ Und ich hör inzwischen etwas anderes. „Bitte glaub ihr nicht, dass sie schön sein könnte.“ „Bitte schaut nicht zu lange hin.“ „Bitte findet nichts an ihr, was ich gerade kleinreden muss.“ Denn stell dir vor, jemand sieht das Shooting. Sieht mich später in echt. Ohne perfektes Licht. Ohne Pose. An einem ganz normalen Dienstag. Und sagt trotzdem: „Wow.“ Was dann? [Bridge] Vielleicht ist das die eigentliche Frage: Warum brauchst du mein Kleinerwerden, damit du dich größer fühlst? Warum muss aus: „Sie sieht gut aus“ sofort werden: „Das ist aber nicht echt“? Du könntest einfach sagen: „Schönes Bild.“ Oder gar nichts. Beides wäre möglich. Aber du entscheidest dich für: „Fake.“ Also muss dieses Wort irgendetwas für dich erledigen. [Break] Nägel? Fake. Okay. Shooting? Natürlich inszeniert. Make-up? Wenn ich Lust drauf hab. Schlechte Tage? Echt. Falten? Echt. Fehler? Mehr als genug. Lachen? Echt. Tränen? Leider auch. Mein Leben? Ziemlich verdammt echt. [Final Chorus] Also sag ruhig: „Du bist fake.“ Vielleicht brauchst du diesen Satz. Ich muss ihn nicht übernehmen. Denn ich weiß, wer morgens im Spiegel steht, wenn keine Fotografin da ist. Ich weiß, wer ich bin, wenn niemand applaudiert, niemand liked und kein Filter irgendetwas glättet. Und vielleicht ist genau das der Unterschied: Du redest über mein Bild. Ich kenne den Menschen darauf. [Outro] Nägel? Fake. Der Rest? Frag mich. Aber wenn deine größte Sorge ist, dass mich jemand sehen, kennenlernen und trotzdem gut finden könnte – dann reden wir vielleicht gar nicht über mich. Sondern über dich.