
Zuckerwasserscheitl Mei Vater war jung als die Schmalzlocken in waren und mein Vater hat diese Zuckerwasserfrisur auch ghabt. Wenn ih mi recht erinnere, hat er im Bad so a rote Tube mit weißer Schrift ghabt, Brisk is drauf gstanden. Mei Vater hat bestimmt in sei Zeit neipasst. Er hat sogar die typischen Koteletten über die Gsichtsbackerl ghabt. Des is scho alles lang her, aber gestriffen haben mich diese Trends auch. Wie ich so ein Kind war und kerzengerade Schnittlauchlocken hatte, bildete mein Vater sich ein, der Bua braucht auch einen Scheitl. Ich hab nicht verstanden warum ich des brauch. Viele Leute ham nämlich oft zu mir gsagt, hat der Bua schene, blonde, weiche Haare. Meine Haare sind eher den Beatle-Köpfen nahegekommen. Mein Vater hat die Beatles nicht so mögen und mir waren die gleich. Ich war eigentlich nicht so auf die Lage, Länge und Farbe meiner Haare aus. Mein Vater hat irgendwann zu einer Zeit, als er das noch konnte, mich formen wollen, in den Haaren wollte er seinen Trend sehen. So bekam ich des Nachts Spangerl in die Haare, andere Gleichaltrige hatten Spangen im Mund, ich Spangerl in den Haaren. Mit Zuckerwasser wurden meine Haare des Tages behandelt. Kein Scheitl ist geworden, vergeblich die ganzen Vatermühen. Bei meinem Vater hat`s ja gar nicht schlecht ausgeschaut, er war von den Haaren und dem ganzen Typ her so richtig für diese Briskfrisuren geeignet. Heute sind meine Haare ratzfatz kurz, ich brauche kein Brisk und kein Zuckerwasser. Meine Minni sagt immer wieder zu mir, sie beneidet mich um meine weichen Haare. Minni`s Haar hat Naturwelle, da hat`s nie ein Zuckerwasser, gar ein Brisk gebraucht. Der Vorteil an meiner Frisur ist, jeden Tag wenn ich mich in der Frühe bürste, massiere ich meine Kopfhaut. Ich sorge so für eine gute morgentliche Durchblutung und das regt an, vor allem die Gedanken. Auch wenn ich nie einen vatergewollten Scheitl hatte, ich nehm`s ihm nicht übel, diese Moden haben eben soetwas wie einen Zug und so bekam ich eben die Mode der Zeit meines Vaters mit.

