
Höflichst eine Bombe „Höflichkeit ist eine Zier, weiter kommt man auch ohne ihr.“ Wie weit kommt man mit einer Höflichkeit, wenn man weiterkommen möchte? „Wissen Sie, der Kuchen ist nicht nur ein Kuchen wie ihn jeder machen könnte, es ist ein ganz besonderer Käsekuchen, auf gar keinen Fall mit Backpulver, dieser Kuchen ist mit feinsten Zutaten abgewogen.“ Und gewogen hat er nicht nur an Gewicht, der Kuchen wog auch schwer im Magen und das lag am Zeug was da drin war. Bestimmt besonders gesund und gut gemeint, aber halt nicht mehr locker und leicht. Das Zergehen auf der Zunge war der Kuchenbombe unbekannt. „ Ich hab wieder einen Kuchen gemacht und lassen`S sich den Kuchen schmecken!“ „Das wär doch gar ned nötig gwesn,“ der Unterton davon war nicht schon wieder. Oh doch, wieder und wieder. Im Stoffsäckchen verborgen, auf geht`s in den Münchner Untergrund. Und wenn ich ihn jetzt, denkt sich der Stammtischgeplagte, wenn man ihn jetzt einfach wie ein Fundstück neben sich unbemerkt liegen lässt…? Irgendwer könnte sich doch freuen, oh lecker, zum Kaffee Kuchen, weil ausschauen tut er ja nicht schlecht. Klammheimlich, es hat mich doch keiner gesehn, steht der Stammtischfreund auf und stellt sich so in Türnähe von dem U-Bahnabteil der U-Bahn die nach Giesing fährt. Der Kuchen im Säckchen liegt jetzt allein auf der Sitzbank. Ein junges Pärchen kommt den Gang entlang. „Do schau hin, do is ois frei.“ Der Blick fällt auf den getarnten Kuchen. „Schau moi wos do liegt.“ Sie reißt ihn zurück. „Ned hi geh.“ Und da Cafehauspezl macht eine Geste unbemerkt. “Auf, nur zua!“ Sie sagt, des sei ihr ned geheuer. Ein alter Mann kommt auch entlang und hört nur noch „Ned hi langa.“ „Wos, ham ma jetzt scho de Terroristen in München?“ sagt der Alte, „Des dat eahna so passn, unser Freiheit in d`Luft z`jogn.“ Der Spezl zuckt zusammen, am liebsten hätte er geplärrt, „Es is doch nur a Kaskuacha-Bombn!“ Leise sagt er „Bombn.“ Die Situation bekommt eine eigene Dynamik. Eine ganz aufgebrezelte, sehr edel anmutende Dame kommt auch dazu, „Nichts anlagen!“ Man könne ja nicht vorsichtig genug sein, schließlich, man erinnere sich, sind schon ganz andere Züge in die Luft geflogen. Gerade in dem Moment als unser Cafehausspezl zeigen wollte, dass er der Versuchsterrorist war, zog besagte Dame die Notbremse. Ein Glück dass der Zug sich gerade im Einfahren in den nächsten Bahnhof befand. Die U-Bahnwache hat die Situation sofort erkannt. Der Spezl hielt den Mund. „Vorsichtig vom Abteil entfernen, nur keine Panik.“ In Windeseile verbreitete sich das Gerücht vom geplanten Attentat im Münchner Untergrund. Feuerwache, Einsatzkommandos und ein Sprengkommando sondierten die Lage. Derweil steht die Käsekuchenproduzentin selbst am Marienplatz im U-Bahnschacht. „Wegen einer technischen Störung verzögert sich die Ankunft der nächsten U-Bahn!“ Und die Alte schimpft. „Wär ich doch bloß schon früher gefahren, aber der Kaffee und die Vitamintabletten, die Bedienung hat sich halt so narrisch gfreut. Heut kannst dich halt auf nichts mehr verlassen.“ „Ham`S as ghört…?, so geht die Rede am Marienplatz um, „Do hod oana a Bombn in der U-Bahn liegen lassn…“ „Na na, zum Glück is mei Cafehausfreund mi`m Käskuacha do grod no durchkemma, den ruaf ih glei moi oh.“ Wenn ma`s jetzt ned besser wüsst, kannt ma glatt glam, dass des echt passiert wär, des hoaßt, es soi neulich tatsächlich a Käskuacha in da U-Bahn nach Giesing liegn bliem sei.

