
Franz Xaver B. aus`m Schmoiznudlcafe - 18.07.2000
Franz Xaver aus`m Schmoiznudlcafe Wenn ich an meim Stammplatz gesessen bin, bin ich nie lang allein gesessen, machmal hab ich mich regelrecht schicken müssen, um noch ein paar Gedanken zu Papier zu bringen. Meine gewohnten Stammgäste, die wirklich Stammgäste waren, haben mich auch neben einem Gespräch her schreiben lassen. Fast mit rührenden Gedanken muss ich an den Günther denken, er hat hin- und hergetüftelt für einen Künstlernamen. Meinen niederbayerischen Nachnamen haben wir an einem denkwürdigen Morgen bei einer Tasse Kaffee begraben. Im Sinne des Künstlernamens „Roland von München“ und wie ein kleines Kind hat der Günther gegrinst. Günther sitzt im Schmoiznudlcafe immer unten vorm hinteren Durchgang, an einem kleinen Zweiertisch, das war visavis von meinem Stammplatz. Den Franz Xaver hab ich immer schon von weitem gerochen. Franz wenn schon da war, war schon das gewisse Etwas in der Luft, nicht selten war er auch unüberhörbar. Der sympathische Lockenkopf, an ihn denk ich fast jeden Tag. Der Erfinder meiner Notizzettelbox forderte mich zu Beginn unserer Bekanntschaft ein wenig heraus, seine provokanten Sprüche, sein auf die Schippe Nehmen hab ich niemals übel genommen, ganz im Gegenteil. Seine Art hat mich herausgefordert. Ganz in Schwarz und der liebe Lockenkopf, irgendwie hat sich der Franz Xaver einen Platz in meinem Herzen ergattert. Er hatte immer den Charakter, mir meinen Stammplatz nicht zu besetzen, sondern eher freizuhalten. Neben meinem Stammplatz zur Linken war meine Schublade, Tinte, ein paar Gedichtbände, Kleinkram vom Wirt. Das war mein kleiner Stützpunkt, der mir das Leben um einige Kilos leichter machte. Ich sag nur Gedichtbände wiegen. Neben mir meistens ein Glas Sekt, so ist der Franz aus Niederbayern vor meinen Augen. Über die Zeit haben wir uns, so glaube ich, auf einer besonderen Ebene verstanden, Franz Xaver immer schamlos direkt, spielte in meiner Gegenwart mit so manchem Schmoiznudlgast, selbst meine alten Cafehausbekannten Hans und Anni verschonte Franz nicht. Unerwartet souverän haben die zwei Rentner dem Franz rausgegeben. Wenn einer eine Dichtervernisage veranstalten könnte, dann der Franz Xaver aus Niederbayern. Ja der Franz hat mich auch nicht selten inspiriert. Meine Geschichte vom Franz Xaver Hastreiter ist eigentlich nach einem Angebot vom Franz in Angriff genommen worden. Franz schlug mir vor, in einem Film einen niederbayerischen Pfarrer, eben diesen Franz Xaver Hastreiter zu spielen. Franz hat mir von einer besonderen Kameraeinstellung vorgeschwärmt, eine Kamera, die von oben an und um einen Baum heruntersaust. Ein irres Spektakel, die Blätter, der Baumstamm, das fand ich schon sehr interessant. Den vorgestellten Pfarrer konnte ich für mich so nicht stehen lassen. Ich erklärte dem Franz , ich zeig dir den Pfarrer, den ich kenne und ich begann, meinen Franz Xaver Hastreiter auf die Bühne zu schicken. Jeden Morgen fanden sich an meinem Stammtisch Gerd, Bernhard, Gerhard, Alois und Horst ein, fast lauter städtische Bedienstete. In den meisten Gesprächen ging es sehr unpoetisch zu. Horsti war kein Stoderer, sozusagen ein Privatwirtschaftlicher. Die meisten meiner Stoderer konnten den Franz Xaver nicht leiden, einen großen Bogen habens um den Franz gemacht. Mei der Franz hods hoid moi gscheit aufgezogen. Der Lockenkopf mit Herz, ih hob erm scho gern an meim Tisch ghabt. Wenn er dann ein Gedicht von mir vorgetragen hat, ist nicht einmal das rausgekommen, was ich geschrieben hab, ned schlimm. Seine Stimme war die eines Interpreten, er hat mich immer an eine Stimme aus dem Bayerischen Rundfunk erinnert. Der Franz Xaver ist ein Hundling, aber ein liaba und wenn`s mal in`s Schmoiznudlcafe gehn, sagens erm einen schönen Gruß, es ist der Lockenkopf in schwarzer Hose und schwarzem Leiberl und das Glas Sekt hod er bestimmt ah no. Wenn Sie erm nicht erkennen, frangens die Gerti, mei junge, oide Bedienung. Also einen schönen Gruß.

