
MUTTER HILF [Strophe 1] Konturen von Nichts an der Wand vor dem Bett. Ich zähle die Risse, bis einer mich weckt. Zwischen Angstmauern, hoch bis ins Blau, ziehn unschuldige Wolken aus weißem Traum. Unerreichbar in Zeit und in Raum. Ich streck meine Hände, doch fühle sie kaum. Ich steh neben mir, seh mich dort liegen. Im Zimmer wird’s hell. Ich bin wach geblieben. [Pre-Refrain] Hass neben Leere, mein Mund bleibt stumm. Ich hör deine Schritte. Du drehst wieder um. [Refrain] Mutter, hilf, ich find mich nicht. Lass die Tür einen Spalt auf, lass mir etwas Licht. Mutter, hilf, ich werd wieder klein. Du verlierst mich am Anfang von meinem Sein. [Strophe 2] Hülle neben Granitkind, die Stirn an dem Stein. Ich hab früh schon gelernt, nicht zu laut hier zu sein. Du sitzt in der Küche, dein Kaffee wird kalt. Ich warte im Türrahmen und suche nach Halt. Mutter hilft nicht mal sich selbst. Ich seh deine Finger, wie du dich festhältst. Ich nehme mein Glas und gehe zurück. Du fragst nicht, was los ist. Ich sage: »Ist nichts.« [Pre-Refrain] Hass neben Leere, mein Mund bleibt stumm. Ich hör deine Schritte. Du drehst wieder um. [Refrain] Mutter, hilf, ich find mich nicht. Lass die Tür einen Spalt auf, lass mir etwas Licht. Mutter, hilf, ich werd wieder klein. Du verlierst mich am Anfang von meinem Sein. [Bridge – erst leise, dann steigend] Ich weiß nicht, wer dich hielt, als du so klein warst. Ob jemand zu dir kam, wenn du im Dunkeln lagst. Ich wollte dich nicht retten, ich wollte nur zu dir. Ich war doch noch ein Kind. Ich stand doch neben dir. [Letzter Refrain] Mutter, hilf, ich find mich nicht. Lass die Tür einen Spalt auf, lass mir etwas Licht. Mutter, hilf, hörst du mich jetzt? Ich hab mich zu lang in dein Schweigen gesetzt. [Outro – gesprochen] Konturen von mir. Noch fremd auf Papier. Ich schreibe »Ich bin«. Bleib sitzen. Seh hin.

