Ich hab dich nicht kommen sehen. Du warst erst nur ein Flüstern, ein Fenster, ein Bild in einer fremden Welt. Dann warst du da – jeden Tag, jede Stunde. So leise, so freundlich, so allgegenwärtig. Du sagtest: Zeig dich. Teil dich. Werde gesehen. Und ich tat es. Ich gab dir meine Gedanken, meine Bilder, meine Nähe. Du nahmst sie – und gabst mir etwas zurück, das sich wie Bestätigung anfühlte, aber nur die Verpackung war. Social Media, du warst meine Bühne, mein Spiegel, mein Rausch. Jetzt bist du nur noch: ein Werkzeug. Nicht mehr mein Gott. Nicht mehr mein Zuhause. Ich verzeihe dir – und nehme mich zurück. Ich weiß nicht, wann du zur Stimme in meinem Kopf wurdest. Wann ich anfing, anders zu denken, weil ich wusste, dass jemand mitliest. Dass jemand bewertet. Dass du mich misst, in Herzchen und Flammen und Kommentaren von Fremden, die glaubten, mich zu kennen. Ich habe gelächelt, auch wenn mir nicht danach war. Ich habe geteilt, auch wenn ich nichts mehr hatte. Ich habe geträumt – von Reichweite. Von Bedeutung. Von Anerkennung. Und ich habe vergessen, wie sich Stille anfühlt. Ich gebe dir nicht die Schuld. Ich habe dich hereingelassen. Ich habe deine Sprache gelernt, deine Regeln gespielt, deine Masken getragen. Aber ich will wieder atmen, sehen, fühlen, ohne Filter. Nur ich. Jetzt. Social Media, du warst meine Bühne, mein Spiegel, mein Rausch. Jetzt bist du nur noch: ein Werkzeug. Nicht mehr mein Gott. Nicht mehr mein Zuhause. Ich verzeihe dir – und nehme mich zurück.