
Die Witwe vom Winterhafen
[Intro] Der Eisbär … [Strophe 1] Jeden Abend kurz nach neun Kam sie langsam durch den Nebel Mit derselben schwarzen Tasche Und denselben roten Fingernägeln Sie setzte sich nie an die Theke Immer hinten ans beschlagene Fenster Dort wo die alten Hafenarbeiter saßen Die niemand mehr nach Namen fragte Der Wirt brachte ihr ungefragt Einen Aquavit und saure Gurken Sie nickte nur kurz Als hätten beide längst genug geredet An der Garderobe hing ein alter Mantel Der nach Regen und Tabak roch Und irgendwo tief in ihrer Stimme Lag noch immer Norden [Pre-Refrain] Manche sagten Ihr Mann sei damals nicht zurückgekommen Andere behaupteten Sie hätte ihn selbst verlassen [Refrain] Die Witwe vom Winterhafen Tanzte langsam gegen die Zeit Mit Augen kalt wie Hafenwasser Und zu viel Vergangenheit Die Witwe vom Winterhafen Sprach selten übers Vermissen Aber wenn sie schwieg Wurde es still Im ganzen Laden drin [Strophe 2] Ein Seemann mit kaputten Händen Setzte sich irgendwann zu ihr Er redete sofort zu viel Wie Männer nachts nun mal reden Sie hörte lange einfach zu Rauchte schweigend ihre Zigaretten Dann sagte sie: „Junge … Nicht jeder Sturm ist die Reise wert“ Danach ging sie Richtung Jukebox Und wählte einen alten Countrysong Irgendwas über Texas Und verlorene Jahre Der ganze Laden wurde ruhiger Selbst das Billard hinten stoppte Nur ihre Absätze klangen noch Durch das matte Licht [Pre-Refrain] Und für einen kurzen Moment Sah sie nicht traurig aus Nur müde Vom ewigen Weiterleben [Refrain] Die Witwe vom Winterhafen Tanzte langsam gegen die Zeit Mit Augen kalt wie Hafenwasser Und zu viel Vergangenheit Die Witwe vom Winterhafen Sprach selten übers Vermissen Aber wenn sie schwieg Wurde es still Im ganzen Laden drin [Bridge] Draußen zog Nebel übers Dock Drinnen wurde der Alkohol wärmer Und irgendwo zwischen Rauch und Musik Begann jemand leise zu weinen Sie bemerkte es sofort Stand langsam auf Legte Geld auf den Tisch Und zog ihren Mantel an [Final-Refrain] Die Witwe vom Winterhafen Verschwand wieder Richtung Kai Als würde irgendwo da draußen Noch jemand auf sie warten Nur die leeren Gläser blieben Und der Geruch nach kalter Nacht Wie nach einem Schiff Das längst gesunken ist Aber manchmal noch auftaucht

