
Man sagt, Märchen sind für Kinder. Aber manche… sind für die Schuld. Unter’m Machandelbaum, Schnee tropft rot, Apfel in der Hand, Wunsch wird zum Tod. Sie flüstert ein Gebet, doch der Himmel hört weg, Blut auf dem Weiß, und das Schicksal ist gesetzt. Kind kommt zur Welt, Mutter geht mit dem Wind, Vater bleibt stumm mit nem Schatten als Kind. Neue Frau im Haus, Blick kalt wie Stein, Sie sieht kein Herz – sie sieht nur „nicht mein“. Unter dem Baum, wo die Wahrheit liegt, Wächst kein Vergessen, egal wie man siegt. Was du vergräbst, fängt irgendwann an Zu sprechen, zu singen, dich zu jagen – Mann. Deckel knallt zu, kein Schrei, kein Laut, Küchentisch kalt, Blut in der Haut. Hackt ihn klein, kocht ihn weich, Nennt Mord „Mahlzeit“, nennt Grauen „gleich“. Vater isst Sohn, ohne es zu wissen, Schluckt jede Lüge, Stück für Stück, eingeschissen. Schwester steht da, Hände voll Schuld, Sie weiß: Wahrheit braucht manchmal Geduld. Unter dem Baum, wo der Knochen spricht, Findet jede Lüge ihr Gegengewicht. Du kannst rennen, du kannst schrei’n, Aber Blut will erinnert sein. Sie sammelt die Reste, wäscht sie rein, Trägt mehr Mut als der ganze Verein. Legt ihn zurück an die Wurzel der Zeit, Wo Leben stirbt und neu sich befreit. Wind wird Stimme, Holz wird Klang, Aus Tod wird Lied, aus Leid Gesang. Goldener Vogel erhebt sich im Licht, Und jede Schuld bekommt ein Gesicht. Du kannst Kinder töten. Aber keine Wahrheit. Er singt von Mord, von Tisch und Mahl, Von Liebe, Verrat und moralischem Fall. Die Stiefmutter zittert, Maske fällt, Kein Platz mehr in dieser verdammten Welt. Kind steht auf, lebt, atmet frei, Märchen sagt: Schuld bleibt nie vorbei. Doch wer sie sieht und nicht vergisst, Hat vielleicht noch gerettet, was Menschsein ist. Unter dem Machandelbaum Liegt kein Ende, liegt ein Traum. Was zerbrochen ist durch Hass, Steht wieder auf – doch merkt sich das. Märchen lügen nicht. Sie sagen nur die Wahrheit zu früh.

