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Gleise summen

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V6

[Intro – gesprochen, ferner Zug, Vinyl-Knistern] Leipzig. Plagwitz. Kurz vor Mitternacht. Die Stadt schläft. Ich nicht. Und ich denk an euch. [Verse 1] Ich komm aus 'ner Stadt, die gezeigt hat, was Mut ist, wo man Kerzen trug statt Steine, weil das Schweigen nicht gut ist. Heut lauf ich am Kanal, wo der Backstein noch glüht, alte Gleise, halb verwachsen, wo heut Efeu drüber blüht. Sechs Uhr, der Motor läuft, dreizehn, fünfzehn Stunden, ich hab Häuser abgesichert, Existenzen, Wunden, Sach, Vorsorge, Vermögen – ich bin da, wenn es brennt, ich bin der, der noch rangeht, wenn der Rest davonrennt. Doch nachts auf der Heimfahrt, wenn die Lichter verschwimmen, hör ich zwischen all den Kunden nur noch zwei Stimmen. [Chorus – halb gesungen, sanfte Backing Vocals] Ich hör die Gleise summen, lang bevor der Zug kommt, wer nur ans Heute denkt, verpasst, wie leis das Morgen anrollt. Julia, leg die Hand auf den Stahl, spür, was kommt und was war – für Hannah bau ich Brücken, damit's hält, Jahr um Jahr. [Scratch Break] [Verse 2] Julia, ich weiß, ich war oft Stimme statt Gesicht, ein Schlüssel spät im Schloss, ein „gleich" – und dann kam ich nicht. Ich hab die halbe Stadt versichert, jeden Fall durchdacht, doch für uns zwei hab ich zu selten Vorsorge gemacht. Wir sind nicht immer auf demselben Gleis gefahren, mal 'ne Weiche, mal ein Funkenflug, mal Wochen, mal Jahre voller Worte, die zu laut warn, und Schweigen, das zu lang war – doch dann lacht Hannah, und ich weiß wieder, wo mein Anfang war. Ich hab sie in ein Buch gemalt, die Kleinste, die sich traut, die ins raschelnde Dunkel geht, wo sonst keiner hinschaut. Und ich wünsch mir ihren Mut für das, was zwischen uns noch steht: einfach losgehn, Hand in Hand, auch wenn man nicht weiß, wie's weitergeht. [Chorus] Ich hör die Gleise summen, lang bevor der Zug kommt, wer nur ans Heute denkt, verpasst, wie leis das Morgen anrollt. Julia, leg die Hand auf den Stahl, spür, was kommt und was war – für Hannah bau ich Brücken, damit's hält, Jahr um Jahr. [Bridge – gesungen, ruhig, nur Piano und Bass] Und wenn die Weichen sich stellen und keiner weiß, wohin – bleibt, was wir zwei begonnen haben, in ihrem Lachen drin. [Verse 3] Ich schreib Songs um halb zwei, zeichne Mäuse, Wald und Licht, weil ich in Geschichten sagen kann, was ich dir sonst nicht sag ins Gesicht. Ich bin kein Mann der großen Gesten, eher Zahlen, eher Plan, doch jede Zeile hier ist ehrlich – und sie fängt bei dir an. Vielleicht sind wir kein Märchen, eher Alltag, eher echt, mit Kanten, müden Abenden, mit Stolz und mit Recht, doch was auch immer aus uns wird, eins liegt fest wie Stahl im Kies: Das Schönste, was ich je gebaut hab, haben wir zu zweit gebaut – und das ist sie. [Chorus – letzte Wiederholung, Backing Vocals voller] Ich hör die Gleise summen, lang bevor der Zug kommt, wer nur ans Heute denkt, verpasst, wie leis das Morgen anrollt. Julia, leg die Hand auf den Stahl, spür, was kommt und was war – für Hannah bau ich Brücken, damit's hält, Jahr um Jahr. [Outro – gesprochen, Zug entfernt sich] Leipzig schläft. Die Schienen summen weiter. Hör hin. Wir sind noch unterwegs.