Song Cover Image

„Hab keine Angst vor dir“

(Die Erde bebt leise. Flammen schlagen in Bögen. Eine gewaltige, löwenartige Höllenbestie mit Hörnern und brennender Aura erhebt sich.) [Malphas – tief, grollend, wie fernes Donnern] Tritt zurück, kleiner Engel. Dies ist nicht die Form für dich. Flammen fressen selbst Schatten – und ich… ich kontrolliere mich nicht. Meine Klauen spalten Felsen, mein Atem brennt die Nacht. Dies ist der Wächter der Tore, nicht das Fell, das mit dir lacht. (Kleine Schritte im Staub. Kein Zurückweichen.) [Gabriele – hell, staunend, vollkommen angstfrei] Du bist so groß… und deine Mähne leuchtet schön. Darf ich deine Hörner anfassen? Die sehen so weich aus, wenn sie glüh’n. (Sie legt beide Arme um seine riesige Schnauze.) Du bist warm. Viel wärmer als sonst. Fast wie eine große Decke aus Licht. Warum sollte ich Angst vor dir haben? Du bist doch mein Flämmchen — vergiss das nicht. [Malphas – knurrend, doch ohne wirkliche Schärfe] Nenn. Mich. Nicht. So. In dieser Gestalt. Ich bin kein Kätzchen. Ich bin Verderben. Ich bin Urteil. Ich bin alt. Wenn andere mich sehen, laufen sie fort oder zerbrechen daran. Und du hängst einfach an meiner Schnauze, als wäre ich ein Spielzeug, das man umarmen kann. [Gabriele – sanft lachend] Du würdest mich niemals verbrennen. Dein Feuer tut mir nicht weh. Es kitzelt nur ein kleines bisschen… so wie wenn ich durch Wolken geh’. Und wenn du brüllst, ganz laut und schrecklich, weiß ich trotzdem genau: Du stellst dich nur größer hin, damit keiner mir was klau’. Du bist mein Wächter. Auch wenn du so tust, als wär dir alles egal. Aber deine Augen werden immer weich… jedes Mal. [Malphas – tiefer Atem, das Feuer wird ruhiger] Du bist töricht. Oder mutig. Oder beides zugleich. Ich bin geschaffen, Tore zu schließen. Dich fernzuhalten wäre leicht. Und doch… (Seine riesige Stirn senkt sich vorsichtig zu ihr.) …weiche ich keinen Schritt von deiner Seite. Nicht als Bestie. Nicht als Katze. Nicht als Schatten im Licht. Wenn etwas dich bedroht, wird es zuerst durch meine Flammen sprechen müssen. Und das überlebt es nicht. ✧ Refrain – ungleich, aber verbunden ✧ Gabriele (strahlend, umarmend): Groß oder klein, mit Feuer und Schein, du bleibst doch derselbe für mich! Ob Hörner aus Glut oder Fell an der Pfot’, du versteckst dein Herz nur im Licht. Ich hab keine Angst, kein Zittern, kein Beben, egal wie laut du auch brüllst. Weil ich weiß, wenn ich falle, dass deine Pranke mich hüllt. Malphas (tief, ruhig): Du fürchtest kein Feuer, kein Knurren, kein Horn. Du siehst nicht das Monster in mir. Vielleicht… weil ich keines bin, solange du neben mir stehst – hier. (Die Flammen werden kleiner. Die gewaltige Bestie legt sich hin. Ein riesiger Kopf ruht vorsichtig neben ihr.) [Gabriele – zufrieden murmelnd] Siehst du? Gar nicht gruselig. [Malphas – leises, tiefes Grollen, fast wie ein gigantisches Schnurren] Sag das bloß niemandem. [Gabriele] Zu spät. Ich hab dich lieb. (Lange Pause.) [Malphas – kaum hörbar] …Unmöglicher Engel.