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Rahmenlos (Was ist Kunst?)

[Intro] Eine Linie auf Papier, ein Gedanke ohne Ziel. Vielleicht beginnt die Kunst genau dort, wo ich nicht weiß, was ich fühl’. [Strophe 1 ] Ist es Kunst, wenn eine Farbe eine alte Wunde kennt? Wenn ein Lied in fremden Herzen plötzlich wie Erinnerung brennt? Ist es Kunst, wenn zwei Akkorde eine ganze Welt versteh’n? Wenn wir zwischen ihren Tönen für drei Minuten weitergeh’n? Ich mal den Himmel nicht nur blau, ich mal ihn so, wie ich ihn brauch. Und wenn mein Bild dir Hoffnung gibt, war es dann falsch – oder war es wahr? [Pre-Chorus] Vielleicht ist Kunst ein offnes Fenster, vielleicht ein Spiegel ohne Glas. Vielleicht ist sie die leise Antwort auf eine Frage, die niemand las. [Refrain] Was ist Kunst? Ist sie schön, ist sie wund? Ist sie Wahrheit auf der Zunge oder Salz in einer Wund’? Was ist Kunst? Ist sie frei, ist sie Pflicht? Ist sie das, was alle sehen, oder das, was keiner ausspricht? Wenn sie tröstet, wenn sie stört, wenn sie fällt und sich empört, wenn sie bleibt, obwohl man sie verbietet – vielleicht ist Kunst genau das, was mit uns geschieht. [Strophe 2] Ist das Kunst oder kann das weg? Der alte Spruch sitzt viel zu bequem. Denn was keinen Rahmen tragen darf, kann trotzdem durch die Mauern geh’n. Vier Silben passen auf den Takt, doch kein Takt erklärt, was Sprache macht. Ich setz den Zweifel auf den Beat, bis selbst die Stille widerspricht. Ein Preisschild macht noch kein Gewicht, Applaus allein macht Wahrheit nicht. Man kann ein Werk ins Museum sperren, doch nicht den Funken, der aus ihm bricht. Kunst ist Dreck unter weißen Nägeln, ein falscher Ton in glatten Regeln. Sie ist das „Nein“ im Chor der Gleichen, und manchmal muss sie Grenzen streichen. Sie braucht kein Siegel, keinen Thron, kein Urteil einer Kommission. Wenn etwas deine Ordnung stört, hat es vielleicht schon dazugehört. [Pre-Chorus] Vielleicht ist Kunst der erste Fehler, den niemand ausradieren kann. Vielleicht beginnt sie nicht beim Können, sondern dort, wo man nicht schweigen kann. [Refrain] Was ist Kunst? Ist sie schön, ist sie wund? Ist sie Wahrheit auf der Zunge oder Salz in einer Wund’? Was ist Kunst? Ist sie frei, ist sie Pflicht? Ist sie das, was alle sehen, oder das, was keiner ausspricht? Wenn sie tröstet, wenn sie stört, wenn sie fällt und sich empört, wenn sie bleibt, obwohl man sie verbietet – vielleicht ist Kunst genau das, was mit uns geschieht. [Zwischenspiel – Akustikgitarre, Klavier und tiefer Bass] [Dialog] [Stimme 1] Kunst ist, wenn ein leeres Zimmer plötzlich voller Stimmen klingt. [Stimme 2] Kunst ist, wenn ein voller Saal vor einer stillen Zeile ringt. [Stimme 1] Kunst ist Nähe. [Stimme 2] Kunst ist Abstand. [Stimme 1] Kunst heilt. [Stimme 2] Und sie tut weh. [Stimme 1] Sie baut Brücken. [Stimme 2] Sprengt Geländer. [Beide] Und fragt nicht, ob ich sie versteh’. [Bridge] Vielleicht muss sie uns nicht erklären, warum die Welt sich weiterdreht. [Bridge] Vielleicht soll sie nur dafür sorgen, dass man nicht wortlos danebensteht. [Bridge] Kein Gesetz kann sie vermessen, keine Formel macht sie wahr. Sie entsteht in dem Moment, in dem vorher noch nichts war. [Finaler Refrain] Was ist Kunst? Ist sie schön, ist sie wund? Ist sie Feuer in den Händen, ist sie Erde in dem Mund? Was ist Kunst? Ist sie Lärm, ist sie Licht? Ist sie das, was wir erschaffen, oder schafft am Ende sie uns? Wenn sie tröstet, wenn sie stört, wenn sie küsst und sich empört, wenn sie lebt, obwohl man sie vernichtet – dann ist Kunst vielleicht das, was den Menschen im Menschen sichtbar macht. [Post-Chorus] Oh-oh, keine Grenze, keine Norm, jede Narbe gibt ihr Form. Oh-oh, keine Antwort hält sie fest, weil sie immer Fragen lässt. [Outro] Eine Linie auf Papier … Ein Gedanke gegen Regeln … Und niemand muss entscheiden, ob es Kunst ist, wenn es etwas in uns bewegt.