
Es gibt ein Zimmer tief in mir, das ich seit Jahren nicht betrete. Ich weiß noch, wo die Türe ist, doch nicht mehr, was dahinter steht. Ich hab die Bilder abgehängt, hab alte Briefe fortgeräumt. Hab mir gesagt, es ist vorbei, und manchmal hab ich’s selbst geglaubt. Ich hab gelernt, nicht hinzusehen, wenn mich etwas an früher erinnert. Hab manche Namen nicht mehr erwähnt und meine Wege still verändert. Und wenn mich jemand danach fragte, hab ich gesagt: „Das ist schon lang her.“ Als würde etwas nicht mehr wehtun, nur weil man nicht mehr davon spricht. Was wir verschweigen, schweigt nicht still, es findet seinen Weg zurück. In einem Lied, in einem Blick, in einem längst vergessenen Augenblick. Was wir verdrängen, ist nicht fort, nur weil wir keine Worte finden. Und manchmal braucht es viele Jahre, bis wir begreifen, was wir fühlen. Ich hab so manches gut erklärt, hab Gründe für mein Tun gefunden. War immer schnell mit einer Antwort, nur selten ehrlich mit mir selbst. Ich wusste, wie man weitermacht, wie man sich wieder auf die Beine stellt. Und konnte trotzdem nicht begreifen, warum mir manches so schwerfällt. Warum ein Satz mich plötzlich trifft, obwohl er gar nicht böse war. Warum mir manchmal Nähe Angst macht, obwohl ich doch so gerne Nähe mag. Warum ich Menschen von mir stoße, wenn sie mir eigentlich wichtig sind. Und warum manche alten Fragen noch heute keine Ruhe finden. Was wir verschweigen, schweigt nicht still, es findet seinen Weg zurück. In einem Lied, in einem Blick, in einem längst vergessenen Augenblick. Was wir verdrängen, ist nicht fort, nur weil wir keine Worte finden. Und manchmal braucht es viele Jahre, bis wir begreifen, was wir fühlen. Ein Mann in Wien hat einst versucht, die dunklen Räume zu verstehen. Er fragte, was wir von uns wissen und was wir lieber übersehen. Er sprach von dem, was wir verdrängen, von Wünschen, Angst und Widerstand. Von Dingen, die wir nicht erzählen, weil uns die Worte dafür fehlen. Vielleicht hat er sich oft geirrt, vielleicht war manches nur ein Bild. Doch diese Frage ist geblieben: Wie viel von mir ist mir noch fremd? Ich träum von Häusern ohne Fenster, von einer Treppe ohne Ziel. Von Menschen, die ich lange kenne, doch ihre Stimmen klingen anders. Ich wach auf und weiß nicht mehr, was dieser Traum mir sagen will. Vielleicht bedeutet er gar nichts. Vielleicht bin ich nur wieder müde. Nicht jeder Traum ist eine Botschaft, nicht jedes Schweigen ein Geheimnis. Und manchmal ist das, was wir fühlen, viel einfacher, als wir glauben wollen. Doch manchmal spür ich diesen Knoten, wenn ein alter Name fällt. Und merke, wie mein Herz schon antwortet, bevor mein Kopf die Frage stellt. Was wir verschweigen, schweigt nicht still, auch wenn die Jahre weitergehen. Manchmal reicht ein kleines Wort, und plötzlich bleibt die Zeit kurz stehen. Was wir verdrängen, ist nicht fort, doch wir müssen nicht darin versinken. Vielleicht beginnt das Wiederfinden mit dem Mut, einmal hinzusehen. Ich hab so lange stark getan, als könnte mich nichts mehr erschüttern. Hab über vieles laut gelacht, damit mir keiner näherkommt. Und irgendwann hab ich begriffen, wie müde dieses Starksein macht, wenn man die eigenen Gefühle immer wieder übergeht. Ich muss nicht jede Tür aufreißen, nicht alles noch einmal erleben. Nicht jede Wunde hat ein Rätsel, das ich unbedingt lösen muss. Und manche Dinge darf ich lassen, wo sie für heute besser sind. Doch ich will nicht mehr behaupten, dass mein Schweigen immer Frieden ist. Vielleicht war manches viel zu schwer, um es damals zu verstehen. Vielleicht brauchte ich die Jahre, um heute anders hinzusehen. Ich kann die Menschen nicht verändern, die mir irgendwann wehgetan haben. Ich kann die Zeit nicht rückwärts drehen, nicht jede offene Frage klären. Doch ich kann aufhören, mich zu fragen, warum ich immer funktionieren muss. Kann traurig sein, wenn ich traurig bin, und muss nicht gleich etwas dagegen tun. Was wir verschweigen, schweigt nicht still, doch heute hör ich manchmal hin. Nicht auf jede alte Geschichte, sondern auf das, was ich gerade bin. Was wir verdrängen, ist nicht fort, doch es muss uns nicht für immer lenken. Vielleicht darf auch die Vergangenheit ein Teil von uns sein, ohne alles zu bestimmen. Und wenn die alten Bilder kommen, muss ich nicht gleich vor ihnen fliehen. Ich kann sie ansehen, kann sie lassen, kann entscheiden, wie weit ich gehe. Nicht alles wird sich auflösen, nicht jede Erinnerung verblassen. Doch vielleicht muss ich nicht mehr kämpfen, um mich selbst nicht mehr zu spüren. Was wir verschweigen, schweigt nicht still, es findet manchmal seinen Weg. Doch ich bin mehr als meine Wunden, mehr als das, was hinter mir liegt. Was wir verdrängen, ist nicht fort, doch ich muss nicht darin wohnen. Und vielleicht wird aus dem Schweigen irgendwann ein stilles Verstehen. Es gibt ein Zimmer tief in mir, das ich seit Jahren nicht betrete. Vielleicht geh ich eines Tages hinein, vielleicht auch nicht. Doch heute weiß ich wenigstens, dass es zu meinem Leben

