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Das Unscheinbare

V6

Strophe 1 Das Unscheinbare widerspricht dem Sinn, den wir ihm einst verliehen; ein kaum verändertes Gesicht lässt alte Sicherheiten fliehen. Strophe 2 Aus Zögern wächst verborgenes Sehen, von keiner Antwort je erfasst; noch während Urteile vergehen, bewahrt die Frage ihre Last. Refrain Wir deuten mehr, als wir betrachten, und halten Scheinen schon für Sein; indem wir nach Gewissheit trachten, schließt unser Blick das Offene ein. Das Offene ein. Das Offene ein. Strophe 3 Veränderung kennt keine Schwelle, an welcher Früheres vergeht; erst Denken markiert nun jene Stelle, wo angeblich Neues entsteht. Strophe 4 Wer alles deutet, hat vergessen, wie unerschöpflich Zweifel bleibt; kein Leben wird durch Worte je vermessen, bloß weil Sprache es beschreibt. [Schlussrefrain] Vielleicht beginnt das freie Sehen, wo unser eignes Urteil schweigt; wir lassen das Geheimnis stehen, auch wenn es keinen Sinn uns zeigt.