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Mary: Völlig kaputt

V6

[OPENING – warm Celtic soul / folk-gospel. Piano, acoustic guitar, soft organ, restrained fiddle.] [MARY – NARRATOR] Die zweite Geschichte gehört Schämess. Und sie beginnt nur zwei Tage, nachdem Felix’ neuer Arzt abgesagt hatte. Sie erinnern sich? Die Reise. Der Koffer. Der große Plan. Und dann: „Dann eben später.“ [small pause] Nun ja. Manchmal hat „später“ ungeahnte Nebenwirkungen. Denn zwei Tage später hatte Kilmoor Bay schon das nächste Problem. Ein Unglück kommt eben wirklich selten allein. Der gute Schämess hatte die einzige Bäckerei im Ort. Und eines Morgens war sein Ofen kaputt. Nicht nur: „macht komische Geräusche“. Nicht nur: „heizt ein bisschen ungleichmäßig“. Nein. Kaputt: So RICHTIG kaputt. Und ohne diesen Ofen kein Brot. Ohne Brot keine Bäckerei. Und ohne Bäckerei: kein Schämess mehr in Kilmoor Bay. [brief pause] Ein neuer Ofen kostete mehr, als Schämess hatte. Viel mehr. Und Felix Bailey hatte eine Angewohnheit, die man entweder großzügig oder vollkommen unvernünftig nennen konnte: Felix wollte immer helfen. Und seit zwei Tagen hatte er außerdem etwas, das er vorerst nicht mehr brauchte. Eine Reisekasse. [small pause] Zumindest sah Felix das so. Diesmal ging es also nicht um ein Pflaster, einen Hausbesuch oder einen guten Rat. Diesmal ging es um Geld. Sehr viel Geld. [Music softens.] Das Problem war nur: Schämess würde niemals darum bitten. Nicht aus falschem Stolz. Er war einfach ein Mann, der lieber etwas für andere tat, als selbst um etwas zu bitten. Und genau das wusste niemand besser als seine Frau Nora. Nora war da anders. Sehr anders. Wenn Nora etwas für richtig hielt, dann tat sie es einfach. [small smile] Nora zog ihre Jacke an, ging über die Straße und klopfte bei Felix. Schämess wusste nichts davon. Und wenn es nach Nora ging, sollte das auch so bleiben. [Music begins transitioning toward duet.] Sie wollte Felix eigentlich nur um einen Rat bitten. Eigentlich. [beat] Aber Felix konnte ziemlich gut unterscheiden, ob jemand einen guten Rat brauchte — oder etwas, das sich mit guten Ratschlägen nicht bezahlen ließ. [small pause] Und seine Weltreise? Nun … die war ja ohnehin: später. [END]