
Um halb zwei an der Ecke steht ein Mann im alten Mantel. Er kennt jeden Nachtbusfahrer, jeden Kellner und jeden Träumer. Die Reklame flackert müde, Regen glänzt auf dem Asphalt. Ein Taxi sucht noch Fahrgäste, und die Stadt wird langsam kalt. Diese Stadt schläft nie, sie tut nur manchmal so. Einer sucht noch seine Liebe, einer sucht sein letztes Geld. Und irgendwo geht ein Licht an, irgendwo geht eines aus. Diese Stadt schläft nie — sie bringt jeden irgendwann nach Haus. Vor dem Bahnhof steht ein Mädchen, mit dem Koffer neben sich. Sie sagt: „Mein Zug ist ausgefallen.“ Er sagt: „Meiner auch — seit Jahren schon.“ Sie muss lachen, er muss lachen, und der Regen wird nicht weniger. Sie erzählt von einer Wohnung, die sie morgen nicht mehr hat. Diese Stadt schläft nie, sie tut nur manchmal so. Einer sucht noch seine Liebe, einer sucht sein letztes Geld. Und irgendwo geht ein Licht an, irgendwo geht eines aus. Diese Stadt schläft nie — sie bringt jeden irgendwann nach Haus. Gegen vier wird es stiller, doch der Morgen steht schon da. Die Nacht verliert ihre Farbe, die ersten Bäcker werden wach. Der Mann zieht seinen Mantel enger und geht langsam Richtung Fluss. Er weiß nicht, was heute kommt, aber irgendetwas muss beginnen. Diese Stadt schläft nie, sie tut nur manchmal so. Einer geht und einer bleibt, und keiner weiß genau, warum. Wenn am Himmel langsam Grau wird und die Straßen wieder glühen, merkt man: Auch die Nacht kann irgendwann vorüberziehen. Um halb fünf an der Ecke geht das letzte Licht aus. Die Stadt öffnet ihre Augen und schickt die Nacht nach Haus.

