Asche im Wind, Neon im Regen, Europa schläft in warmen Lügen. Fernsehlicht auf leeren Wegen, wir lernen, uns selbst zu betrügen. Der Himmel brennt in Gold und Grau, ein Sonnenuntergang aus Akten. Wir reden viel von Mensch und Frau, doch zählen still die Macht-Fraktionen. Ein Finger zeigt, der andere zählt, was hinter Türen leise wächst. Moral als Mantel, gut geschniegelt, darunter Angst und Zweck. Wir singen Freiheit wie ein Lied, doch sperren Zweifel in die Ecke. Die Wahrheit trägt ein Namensschild, und drunter eine zweite Kette. Aus „niemals wieder“ wird „kommt drauf an“, wenn’s grade in die Linie passt. Und jeder Applaus im Abendrot macht die Gesichter blass. Europa, langsam geht das Licht, wir tanzen auf den Rissen. Doppelte Standards, schönes Gesicht, mit kalten, leeren Kissen. Wir predigen laut, was keiner lebt, wir kaufen uns Gewissen. Und wenn die Sonne untergeht, bleibt nur: vermisst, zerrissen. Heuchelei hat weiche Stimmen, spricht von Würde, meint nur Markt. Worte glänzen, Hände schwimmen durch das Dunkel, unbemerkt. Wir messen Leid in Schlagzeilen, in Reichweite und in Geld. Heute „Schock“, morgen „weiter“, so dreht sich unsre Welt. Kompetenz wird ausgelacht, wenn sie nicht klickt und nicht knallt. Der Lauteste gewinnt die Schlacht, weil Stille niemanden bezahlt. Und Fachwissen, früher ein Fundament, ist jetzt „zu kompliziert“. Wir bauen Häuser aus Empörung, bis der Wind sie einreißt, ungeniert. Europa, langsam geht das Licht, wir tanzen auf den Rissen. Doppelte Standards, schönes Gesicht, mit kalten, leeren Kissen. Wir predigen laut, was keiner lebt, wir kaufen uns Gewissen. Und wenn die Sonne untergeht, bleibt nur: vermisst, zerrissen. Wo sind die Werte, die uns tragen, wenn keiner mehr Verantwortung nimmt? Wir stellen Fragen nur als Waffen, und nennen’s „Diskurs“, wenn’s stimmt. Ein Herz aus Glas, ein Blick aus Stahl, ein Lächeln wie ein Siegel. Wir beten zur Statistik-Zahl, und nennen Schatten „Spiegel“. Ich seh die Straßen: schön renoviert, doch hinter Wänden Faulton. Wir haben alles optimiert, nur nicht das, was man braucht: Verstand. Wir tauschen Tiefe gegen Tempo, Erfahrung gegen Trend. Und jeder Fehler wird vertuscht, bis er uns alle kennt. Der Westen im Designer-Kleid, mit Rissen unterm Saum. Wir reden von Solidarität und lassen Menschen im Raum aus Kälte stehen, höflich, still, mit Formular und Blick. Und nennen’s „Regeln“, nennen’s „Ordnung“, doch es fühlt sich an wie Trick. Europa, langsam geht das Licht, wir tanzen auf den Rissen. Doppelte Standards, schönes Gesicht, mit kalten, leeren Kissen. Wir predigen laut, was keiner lebt, wir kaufen uns Gewissen. Und wenn die Sonne untergeht, bleibt nur: vermisst, zerrissen. Der Himmel sinkt, die Farbe bricht, auf Glasfassaden, stumm. Europa, hörst du dein eigenes Lied? Es klingt… nach Schweigen. Und irgendwo, im Abendrot, steht noch ein Wort: *Verantwortung*. Keiner nimmt es mit.


