
Der Herrgottsschnitzer
Hab all mein Lebtag stets gedacht, Dass man aus Holz die Heilands macht, Doch jetzt im Alter kommt mirs bei, Dass noch 'was Andres nötig sei. Im Holz, da liegt zwar auch 'was drin, Denn jeder Stoff hat seinen Sinn, Jedoch der Sinn von diesem da, Der reicht wohl nicht bis Golgatha. Dort ist noch heut für alle Welt Das Kreuz und Elend aufgestellt, Und wer zu beiden kriechen muss, Bekommt vorher den Judaskuss. Drum ists das Richtige, was ich tu: Stets geb ich eine Träne zu Und denke dabei allezeit: Nun hat der Schmerz das Holz geweiht. Wenn ichs sodann fast fertig hab, Denk ich an des Erlösers Grab Und dass er nach so kurzer Frist Gleich wieder auferstanden ist. Da kommt so recht aus Herzensgrund Ein Juchezer mir in den Mund; Den schneid ich, kaum zu sehn, so fein, Dem Herrgott mit dem Messer ein. Und habe ich mein Werk vollbracht, So fromm, wie ich es mir gedacht, So freu ich mich als Mensch und Christ, Dass es mir gut gelungen ist. Und wer es gleich so bringen will, Der greif zum Holz und warte still, Bis sich die Träne bei ihm zeigt; Der Juchezer, kommt dann sehr leicht.

