„Alle wollen was von mir“ Strophe 1 Homeoffice, Küchentisch, Aktenstapel neben Brot Fachdienst will die Ordnung sehen, Frist im Nacken wie ein Lot Eigentlich wär’ ich im Job, doch ich sortier’ mein Leben neu Unterschriften aus Hanau holen, Autobahn und inn’re Scheu Würzburg wartet Samstag früh, Pflichtseminar bis Sonntag spät Sechs Gespräche morgen noch, ich weiß nicht mehr, wie das hier geht Fallbericht bis nächste Woche, Seiten, die noch leer vor mir Und ich sitz hier zwischen allem – und funktionier Pre-Chorus Ich hetze meinen Tagen hinterher Und mein Kopf wird immer leer Refrain Alle wollen was von mir Jede Stunde, jede Tür Jeder Blick sagt: „Reiß dich zusammen“ Doch ich fall’ schon fast in mir Ich komm einfach nicht zur Ruh Mach die Augen zu – und es schreit nur zu Ich halt alles irgendwie Aber wer hält eigentlich mich? Strophe 2 Kinder fragen: „Bleibst du hier?“ – Ich sag: „Gleich“, doch ich bleib’ nicht wirklich da Mein Mann schweigt laut im Nebenraum Und ich weiß, ich war mal klar Der Job verlangt Präsenz und Kraft Empathie in jedem Satz Doch meine eigene Batterie Ist seit Monaten fast platt Das Konto atmet flach im Dispo Und ich rechne mehr als ich leb’ Zwischen Pflichtgefühl und Müdigkeit Ist kein Ort, an dem ich steh Pre-Chorus Ich therapier’ die ganze Welt Doch hab mich selbst irgendwo abgestellt Refrain Alle wollen was von mir Jede Stunde, jede Tür Ich geb alles, was ich habe Doch es bleibt nichts mehr bei mir Ich komm einfach nicht zur Ruh Selbst im Schlaf kommt keine zu Ich halt alles irgendwie Aber wer hält eigentlich mich? Bridge (ruhiger, verletzlicher) Ich wollte doch nur lernen, helfen Heilen, halten, da zu sein Jetzt sitz ich zwischen meinen Rollen Und passe in keine rein Ich weiß, ich schaff das irgendwie Hab’s ja immer hingekriegt Doch ich spür zum ersten Mal Wie viel man tragen kann – bis man bricht Letzter Refrain (leise beginnen, dann kraftvoll) Alle wollen was von mir Doch ich steh noch irgendwie hier Vielleicht lern ich irgendwann Dass ich selbst auch zählen darf Vielleicht kommt irgendwann die Ruh Vielleicht sag ich öfter „Nein“ Vielleicht darf ich Therapeutin sein Und trotzdem einfach Mensch sein