
An den Mond (Johann Wolfgang von Goethe)
[Verse 1] Füllest wieder Busch und Thal Still mit Nebelglanz, Lösest endlich auch einmal Meine Seele ganz; [Verse 2] Breitest über mein Gefild Lindernd deinen Blick, Wie des Freundes Auge mild Ueber mein Geschick. [Verse 3] Jeden Nachklang fühlt mein Herz Froh und trüber Zeit, Wandle zwischen Freud’ und Schmerz In der Einsamkeit. [Chorus] Zieh mit dem Mond im Strom der Zeit, still mit dem Freund in Zweisamkeit. [Verse 4] Fließe, fließe, lieber Fluß! Nimmer werd’ ich froh; So verrauschte Scherz und Kuß Und die Treue so. [Verse 5] Ich besaß es doch einmal, Was so köstlich ist! Daß man doch zu seiner Qual Nimmer es vergißt! [Verse 6] Rausche, Fluß, das Tal entlang, Ohne Rast und Ruh, Rausche, flüstre meinem Sang Melodien zu! [Chorus] Zieh mit dem Mond im Strom der Zeit, still mit dem Freund in Zweisamkeit. [Verse 7] Wenn du in der Winternacht Wüthend überschwillst Oder um die Frühlingspracht Junger Knospen quillst. [Verse 8] Selig, wer sich vor der Welt Ohne Haß verschließt, Einen Freund am Busen hält Und mit dem genießt, [Verse 9] Was, von Menschen nicht gewußt Oder nicht bedacht, Durch das Labyrinth der Brust Wandelt in der Nacht. [Chorus] Zieh mit dem Mond im Strom der Zeit, still mit dem Freund in Zweisamkeit. (-keit, -keit)

