
LOUIS Die Nacht liegt still auf dieser Stadt, als hätte sie den Atem satt. Ich hör den Regen, seh das Licht, doch irgendetwas stimmt hier nicht. Du standest plötzlich neben mir, als wär die Dunkelheit nach dir. Dein Blick war kalt, dein Lächeln warm, und trotzdem lag Gefahr in deinem Arm. LESTAT Du suchst nach einem neuen Leben, doch hast dich selbst noch nicht ergeben. Du willst entfliehen, willst verstehen, doch drehst dich nur im Kreis beim Gehen. Du fragst, wohin, du fragst, warum, doch jede Antwort macht dich stumm. Du willst den Schmerz nicht länger tragen – dann hör auf, immer nur zu fragen. LOUIS Was willst du von mir? LESTAT Was du willst. LOUIS Und wenn ich falle? LESTAT Dann fall mit mir. LESTAT Du musst nicht länger Mensch nur heißen, musst nicht an deine Grenzen reißen. Kein Morgen zwingt dich, wer zu sein, kein Leben schreibt dir Regeln ein. Nur eine Tür steht vor dir offen, du musst nur wagen, darauf zu hoffen. Ein einziger Schritt, ein einziger Blick – und nichts bringt dich zurück. LOUIS Ich weiß nicht, ob ich dir vertrau, ich seh die Nacht und seh sie grau. Doch etwas zieht mich fort von hier, als läg die Antwort schon bei dir. LESTAT Dann schließ die Augen, hör nicht hin, vergiss für einen Augenblick, wer du bist. Die Welt dort draußen wird verblassen, wenn du beginnst, sie loszulassen. LOUIS Was bist du? LESTAT Das, was du werden kannst. LOUIS Und was bleibt von mir? LESTAT Nur das, was bleiben will. [Die Musik verstummt fast vollständig. Ein einzelner Orgelton.] LESTAT Fürchte nicht die Nacht, die über dir erwacht. Fürchte nicht den Fall, fürchte nicht den Schall. Du hast so lang gesucht, du hast so lang geflucht. Nun steht die Antwort hier – direkt vor dir. LOUIS Wenn ich jetzt bleibe, werde ich nicht mehr derselbe sein. LESTAT Nein. LOUIS Wenn ich gehe? LESTAT Dann gehst du allein. LOUIS Und wenn ich dir folge? LESTAT Dann endet, was du warst. LOUIS Und was beginnt? LESTAT Die Nacht. [Lestat singt die letzte Zeile beinahe flüsternd.] LESTAT Komm. LOUIS Ich komme. [Ein tiefer Schlag.] DUETT — LOUIS & LESTAT LOUIS: Ich hör die Nacht, sie ruft nach mir, und jeder Weg führt fort zu dir. LESTAT: Die Konsequenzen sind nun egal jetzt lös die fesseln der Moral. LOUIS: Was wird aus mir? LESTAT: Was immer du willst. LOUIS: Was, wenn die Nacht mich nicht mehr stillt? LESTAT: Dann lernst du, mit ihr zu leben. LOUIS: Und was musst du dafür geben? LESTAT: Nichts. [Pause.] LESTAT: Nur dein altes Leben. DUETT LOUIS: Ein letzter Atemzug— LESTAT: Ein neuer Anfang. LOUIS: Ein letzter Blick zurück— LESTAT: Dann geh voran. BEIDE: Ein Schritt ins Dunkel, ein Schritt aus dem Licht, ein Leben zerbricht nicht – es verändert sich. LOUIS: Ich weiß nicht, wer ich werde. LESTAT: Das wirst du noch sehen. LOUIS: Ich weiß nicht, wohin wir gehen. LESTAT: Dorthin, wo die Ewigkeit beginnt. LESTAT Komm, Louis. LOUIS Ich komme. BEIDE Ein Kuss – und die Welt schweigt. Ein Kuss – und die Zeit entweicht. Ein Kuss – und nichts bleibt wie zuvor. Ein Kuss – und die Nacht öffnet ihr Tor. [Orgel, Streicher und Chor setzen gleichzeitig ein.] LESTAT: Willkommen in der Nacht. [Schlag. Dunkelheit.]

